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Dormago: Internetportal für Dormagen

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Dormagener Spargelbauern suchen dringend Arbeitskräfte

03.04.2020 / 11:36 Uhr — Franziska Gräfe / duz

Dormagen. Auf den Feldern rund um Dormagen wächst der Spargel. Bei verhältnismäßig warmem und sonnigem Wetter sprießt das königliche Gemüse jetzt förmlich, doch ob es in den kommenden Wochen abgeerntet und verkauft werden kann, ist mehr als ungewiss. Seit dem 25. März gilt bundesweit ein vom Bundesinnenministerium verhängtes Einreiseverbot für ausländische Saisonarbeiter, das eben jene osteuropäischen Erntehelfer betrifft, die jedes Jahr zur Spargel- und Erdbeerernte ins Rheinland kommen. Der Einreisestopp soll zwar nun gelockert und zunächst im April 40.000 Arbeitern die Einreise ermöglicht werden. Die akuten Probleme der Landwirte in Dormagen, die am Wochenende mit der Spargelernte beginnen, löst diese politische Entscheidung indes nicht.

Auf dem Grenzhof in Zons ist es laut Landwirtin Petra Berchem „jeder zweite Helfer, den wir ersetzen müssen“. Gemüse, das nicht pünktlich geerntet werden kann, verdirbt auf dem Feld. Ohnehin fällt durch die Restaurantschließung die Gastronomie als großer Abnehmer weg. „Wir wissen noch gar nicht, ob wir alle Felder beernten werden“, sagt Berchem.

Saisonarbeit auch für Kurzarbeiter attraktiv
Damit ist die Corona-Krise in einer weiteren Branche, der als kritische Infrastruktur eingestuften Landwirtschaft, angekommen. Bund und Interessenverbände haben auf die Notlage vieler Obst und -Gemüsebetriebe reagiert. Sie betreiben Internetplattformen, auf denen landwirtschaftliche Betriebe ihren Bedarf an Arbeitskräften listen können - und Freiwillige wiederum ihre Bereitschaft zur „Feldarbeit“ bekunden. Besonders Menschen, die aktuell in Kurzarbeit sind, will der Gesetzgeber für die Ernte gewinnen, hat die Regelungen für Zuverdienst gelockert und die Maximal-Dauer einer sozialversicherungsfreien Beschäftigung von 70 auf 115 Arbeitstage ausgeweitet.

Auf dem offiziellen Portal des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hatte Petra Berchem ein Gesuch geschaltet und etliche Rückmeldungen erhalten. Einfach ist ihr Problem trotzdem nicht zu lösen. „Idealerweise brauche ich Leute, die von Anfang April bis Ende Juni bleiben können und denen es bestenfalls möglich ist, 35 Stunden in der Woche zu arbeiten“, skizziert die Landwirtin ihr Anforderungsprofil. Die Begründung liefert sie gleich mit: „Wir müssen jede Kraft entsprechend anlernen, und geerntet wird an sieben Tagen in der Woche.“ Insbesondere fürs Sortieren des Spargels nach den unterschiedlichen Qualitätsklassen und die Konfektionierung von Bestellungen wird der Grenzhof schon einige Hilfswillige Probe arbeiten lassen. Eventuell wird in diesem Bereich weitere Verstärkung gebraucht.

„Ich finde die Solidarität der Leute klasse“
Auch Ute Feiser vom Spargelhof in Broich wird ein Dutzend Bewerber zur Probearbeit treffen. „Es sind nette, motivierte Leute, die sich gemeldet haben, und die uns beim Spargelstechen unterstützen sollen“, sagt Feiser. Fraglich sei jedoch, wie lange die Erntehelfer bleiben können. Denn wenn nach dem Corona-Shutdown die normale Wirtschaftstätigkeit wieder hochgefahren wird, gehen jene, die jetzt in Kurzarbeit sind, an ihre Arbeitsstellen zurück. Die Landwirtschaft jedoch macht weiter. Nach dem Spargel kommen die Erdbeeren, und parallel dazu beginnt die Pflanzzeit für Gemüse. „Kurzarbeiter einzusetzen, das ist von der Politik gut gedacht, aber für uns in der Landwirtschaft kaum praktikabel. Trotzdem finde ich die Solidarität der Leute klasse“, so Feiser.

Alle Spargelhöfe in Dormagen haben derzeit Bedarf an Saisonkräften. Wer unterstützen kann, „gesund, körperlich belastbar, ausdauernd und wetterfest“ ist - so formuliert es Helena Kallen vom Forsterhof aus Stürzelberg in ihrem Facebook-Aufruf - meldet sich am Besten bei einem Landwirt in seiner Nähe. Die Bereitschaft zu regelmäßigen Einsätzen an festen Tageszeiten ist ebenso wichtig. Gezahlt wird der Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde.

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