Dormagener Wirtschaftsthemen

Eine Dormagener Landschaft voller Folientunnel

01.09.2026 / 18:54 Uhr — Dormago / duz

Foto: Dormago / duz / privat / Montage Zwischen Zons und Stürzelberg wird kräftig gearbeitet, die Auswirkungen auf die Landschaft werden immens sein
Zwischen Zons und Stürzelberg wird kräftig gearbeitet, die Auswirkungen auf die Landschaft werden immens sein
Eine Maschine hilft den Arbeitern, die Stangen im Boden zu versenken. Hunderte dieser Stangen stecken bereits in den Bodenverankerungen. Was aber dort in Zons genau passiert, ist vielen ein Rätsel. Denn öffentlich kommuniziert wurde der demnächst größte Erdbeeranbau in Dormagen nicht. Laut Bauantragsunterlagen werden Folientunnel auf insgesamt 8,1 ha (81.000 Quadratmeter) errichtet, die vorher als Acker genutzt wurden, informiert Kreisdezernent Gregor Küpper auf Anfrage von DORMAGO. Das sind summa summarum elf Fußballfelder. Und die Treibhäuser sind über zwei Meter höher als Fußballtore.

Konkret handelt es sich um zwei benachbarte, durch einen Wirtschaftsweg getrennte Teilflächen südlich der Schulstraße und westlich der Stürzelberger Straße. Auf der westlichen Seite entstehen 19 Tunnel (Höhe 4,65 m, 1597 m² je Tunnel = 34.398 m²) und auf der östlich des Weges gelegenen Seite sind es 20 Tunnel (Höhe 4,65 m - 1450,40 m² je Tunnel = 31.448,20 m²). Der Rest sind Zwischenräume mit Bewegungs-, Versickerungs- oder Wegeflächen. Hinzu kommen noch Container mit den technischen Anlagen.

Vor knapp einem Monat, am 4. August, hat die Stadt Dormagen die beantragte Baugenehmigung für die Errichtung der Folientunneln für den Erdbeeranabau auf Stellagen mit einer zu erwartenden Standzeit von 10 bis 15 Jahren erteilt. Zuvor hatte die Untere Naturschutzbehörde des Kreises jahrelang mit dem Einzel- und Großhändler Kallen über viele Details „gerungen“ und schließlich im Verfahren eine positive Stellungnahme abgegeben. Nach Angaben der Stadt Dormagen sind die von den zuständigen Fachbehörden geforderten Auflagen Bestandteil der Baugenehmigung, ebenso wie Ausgleichsmaßnahmen. Für das Vorhaben wurde zudem eine Befreiung nach Paragraf 67 Abs. 1 Satz 1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) von bestimmten Verboten des Landschaftsplans II erteilt.

Als hätte Norbert Grimbach eine Vorahnung gehabt. Im Urlaub auf Teneriffa entdeckte der Vorsitzende des Naturschutzbeirats im Rhein-Kreis solch hohe Folientunnel und machte ein Foto. Dass kurze Zeit später ein ähnliches Projekt in der Zonser Nachbarschaft entstehen würde, damit hatte er nicht gerechnet. „In den bisherigen rund 40 Jahren habe ich im Naturschutzbeirat einiges erlebt, aber das ist schon ein sehr ungewöhnlicher Vorfall und sicher ein gravierender Eingriff in unsere geschützte Kulturlandschaft zwischen Stürzelberg und Zons.“ Grimbach hofft, dass tatsächlich im Verfahren durch die Stadt Dormagen eine „tiefgreifende Prüfung der Landschaftsverträglichkeit, der Problematik bezüglich der Grundwasserneubildung und Abwasserbeseitigung sowie eine mögliche Auswirkung auf Natur- und Artenschutz durch diese industrielle Produktionsanlage erfolgte.“ Zudem pocht er auf die „lückenlose Regelung nicht zumutbarer Mehrbelästigung der Bewohner in den umliegenden Wohngebieten.“

Die negativen Auswirkungen und Beeinträchtigungen der nach Landesrecht geschützten Naherholungsfunktion müsse insbesondere im Umfeld der Naturschutz- und FFH-Gebiete auf den Prüfstand gestellt werden. Und: Die langfristig zu erwartende Auswirkung auf die Gesamtheit aller im Boden lebenden Organismen durch die einseitige Nutzung müsse biologisch überwacht werden, um eine nachhaltige Bodenfruchtbarkeit zu gewährleisten. Weiterhin sei die Einhaltung der dringend notwendigen Frischluftschneise auf die gegenüberliegende Rheinseite in die Düsseldorfer Innenstadt bei dieser Planung zu berücksichtigen: „Die vornehmlich aus S/W-verlaufenden Wind-Strömungen (circa 230 Tage im Jahr) werden durch dieses massive, großflächige Bauwerk mit einer Höhe von immerhin 4,65 m im Strömungsverlauf gehindert.“

Für die Errichtung von modernen Folientunneln gibt es nachvollziehbare wirtschaftliche Gründe: Sie verfrühen die Ernte um mehrere Wochen, schützen Pflanzen vor Wetterextremen und verdoppeln im Schnitt den Ertrag pro Hektar im Vergleich zum Freiland. Gezielte Bewässerung über Tropfschläuche und trockener bleibende Früchte verhindern Schimmel und Fäulnis. Weniger Krankheiten bedeuten zudem einen geringeren Bedarf an Pflanzenschutzmitteln; zudem können nützliche Insekten gezielt eingesetzt werden. Und auf die Erntehelfer wartet ein rückenschonenderes Arbeiten.

Es gibt aber auch Nachteile: Die Folien verschleißen durch UV-Strahlung und Witterung und müssen alle paar Jahre aufwändig entsorgt und ersetzt werden. Im Hochsommer überhitzen die Tunnel schnell, was die Früchte schädigen kann und tägliches manuelles Lüften erfordert. Und nicht zuletzt: Die großen, weißen Plastikflächen in der Natur stoßen in der Bevölkerung und auch im Tourismus oft auf Kritik.

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