DORMAGO-Archiv
Suchergebnis
„Larissa Eifler hat etwas Außergewöhnliches geleistet“
18.09.2026 / 17:41 Uhr — Dormago / duz
Foto: Dormago / duz

Larissa Eifler trug sich im Beisein von Bürgermeister Erik Lierenfeld und Vize-Bürgermeisterin Katja Creutzmann ins Goldene Buch der Stadt Dormagen ein
Die Schar der Gratulanten war groß. Schließlich findet die Ehrung einer Weltmeisterin selbst in einer Sportstadt wie Dormagen nicht allzu häufig statt. Der Ort des lockeren Treffens im neu gestalteten Silentium des Norbert-Gymnasiums Knechtsteden hatte sich angeboten: Larissa Eifler nahm 2018 das Abiturzeugnis am NGK entgegen und wohnte seinerzeit auf dem Campus-Gelände im Sportinternat. Und zuvor war das Silentium ein Café, in dem nicht zuletzt legendäre Oberstufenfeten ausgerichtet wurden, wie Eiflers Erfolgskollege Nicolas Limbach verriet. Der Säbel-Weltmeister von 2009, der zusammen mit Max Hartung, Matyas Szabo und Benedikt Wagner den WM-Mannschaftstitel 2014 gewann, übermittelte gestern Abend auch als Sportbeauftragter der Bayer AG die Glückwünsche des Unternehmens und machte die Bedeutung des Titelgewinns deutlich: „Du hast etwas Außergewöhnliches geleistet.“ Larissa Eifler ist die erste deutsche Säbelweltmeisterin überhaupt.
Larissa Eifler trug sich im Beisein von Bürgermeister Erik Lierenfeld und Vize-Bürgermeisterin Katja Creutzmann ins Goldene Buch der Stadt Dormagen ein
„Ich bekomme auch immer noch Gänsehaut und denke: krass, das ist wirklich passiert“, blickt die 27-Jährige auf den 26. Juli in Hongkong zurück, als sie ihre französische Gegnerin Sara Balzer mit 15:10 im Finale besiegte. Nach all der Begeisterung und den ersten Feiern musste sie erst einmal etwas runterkommen, wanderte mit ihrem Freund in den Dolomiten und verarbeitete den Erfolg. Zwei Jahre zuvor sah das etwas anders aus: Damals verpasste sie nach einer turbulenten Qualifikation inklusive Blinddarm-Operation äußerst knapp die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Sie hätte den allerletzten Wettbewerb gewinnen müssen, um in Paris dabei zu sein, verlor aber das Halbfinale 13:15. Zwei Tage später wollte sie wieder trainieren, doch es lief nicht, sie war antriebslos und nahm sich eine längere Auszeit. Eifler aber merkte bald, dass ihr etwas fehlt und sie kehrte zurück ins Training. „Eine solche Pause kann helfen, Weltmeisterin zu werden“, weiß Nico Limbach, dass „Sportkarrieren nie geradlinig verlaufen.“
Als die aus Alsfeld in Hessen stammende Fechterin vor vielen Jahren nach Dormagen kam, spürte Erfolgscoach Vilmos Szabo sofort: „Larissa war irgendwie sehr talentiert.“ Und aktuell sieht er ihr an: „Sie ist heiß und will trainieren.“ Schließlich hat die Psychologiestudentin ihren Kindheitstraum noch nicht ad acta gelegt und will alles versuchen, um an den Olympischen Spiele in Los Angeles 2028 teilzunehmen. Darüber würde sich nicht nur Benjamin Denzer freuen. Der Präsident des Deutschen Fechter-Bundes hatte den WM-Erfolg der Frau mit dem „schönsten Lächeln des DFB“ im Berliner Lokal Zwiebelfisch im TV miterlebt und machte in der Bundeshauptstadt beste Werbung fürs Fechten.
Beste Bedingungen für den Leistungssport
Aus Sicht von Michael Scharf war Eiflers Gold auch so etwas wie Rückendeckung für den DFB mitsamt der Erkenntnis: „Wir können tatsächlich da oben angreifen.“ Ansonsten stellte der Direktor Leistungssport beim Landessportbund NRW die hervorragenden Bedingungen für den Leistungssport heraus: „Alles ist hier vor Ort. Und Stadt Dormagen, Rhein-Kreis und das Land unterstützen den Leistungssport. Darüber hinaus haben die Fechter Weltklassetrainer und mit Olaf Kawald einen Motor, dessen Lebenswerk darin besteht, den Standort zu entwickeln.“ Kawald überreichte Larissa Eifler eine Kiste, die für eine besondere Anerkennung steht: „In der Trainingshalle gibt es jetzt eine Larissa-Eifler-Fechtbahn.“
Für Staatssekretärin Andrea Milz ist der WM-Erfolg auch ein Beleg dafür, dass „Schule und Sport funktionieren können.“ Leidenschaftlich appellierte sie wenige Tage vor der Abstimmung über den deutschen Olympia-Bewerber an die Anwesenden, die Kinder hier so groß zu ziehen, dass sie „an den Olympischen Spielen teilnehmen können.“ Damit verband sie die Hoffnung, dass „unsere NRW-Bewerbung am 26. September in Baden-Baden überzeugt.“ Von der „feurigen Rede“ fühlte sich Moderator Benedikt Wagner besonders angesprochen: „Da kriege ich ja selber wieder Lust zu fechten.“
Stefanie Schiffer vom Sportamt des Rhein-Kreises Neuss sammelte noch unter ihrem Namen Kubissa ebenfalls Erfolge im Säbelfechten. Sie stellte Eiflers Vorbildfunktion heraus und lobte deren Einsatz für mentale Gesundheit und die Sichtbarkeit von Frauen. Und im Namen der Stiftung Sport der Sparkasse und des Rhein-Kreises Neuss stellte sie fest: „Klasse, wenn solche Geschichten geschrieben werden.“ Die Unterschrift in einem speziellen Buch durfte derweil nicht fehlen: Bürgermeister Erik Lierenfeld hatte das Goldene Buch der Stadt Dormagen mitgebracht, in das sich die Weltmeisterin eintragen durfte.
