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Zum Jubiläum eine besondere Würdigung der Friedens-Bertha

15.09.2026 / 20:48 Uhr — Dormago / duz

Foto: Dormago / Bärbel Suling (4), Detlev Zenk (1) Kinder und Eltern demonstrierten 1986 für die Errichtung einer Gesamtschule
Kinder und Eltern demonstrierten 1986 für die Errichtung einer Gesamtschule Schulleiterin Dr. Andrea Hurtz mit Bürgermeister Erik Lierenfeld und auf der Leinwand Heinz Hilgers als einer der Väter der Gesamtschule
Schulleiterin Dr. Andrea Hurtz mit Bürgermeister Erik Lierenfeld und auf der Leinwand Heinz Hilgers als einer der Väter der Gesamtschule Das selbst geschriebene Stück „Laaf ju Bertha“ ist eine Hommage an eine besondere Frau
Das selbst geschriebene Stück „Laaf ju Bertha“ ist eine Hommage an eine besondere Frau Für viele Lacher sorgte der Auftritt des „US-Präsidenten“
Für viele Lacher sorgte der Auftritt des „US-Präsidenten“ Der Chor präsentiert die neue BvS-Hymne
Der Chor präsentiert die neue BvS-Hymne
„Nach der schwierigen Schwangerschaft und Geburt ist die Schule längst erwachsen geworden“, erinnerte heute Leiterin Dr. Andrea Hurtz an das Entstehen der Dormagener Gesamtschule. Auch in Dormagen hatte sich in den 80er Jahren eine Elterninitiative mit der klaren Absicht einer Gründung der neuen Schulform in der Stadt engagiert. Doch für konservative Kreise war die Gesamtschule seinerzeit tabu. So kam es zu einem sowohl politisch als auch juristisch ausgetragenen Kampf, der bundesweit beobachtet wurde. Damals berichtete sogar die Tagesschau live von der entscheidenden Ratssitzung in Dormagen. 

Nach einer negativen Entscheidung des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts wurde eine endgültige Entscheidung vom Oberverwaltungsgericht Münster am 16. September 1986 erwartet. Wenige Tage zuvor jedoch lenkte die im Dormagener Rat vertretene Zentrumspartei ein und unterstützte nach anfänglichem Widerstand doch noch die Forderung der SPD nach Gründung einer Gesamtschule. Die wurde vom Stadtrat gegen die Stimmen der CDU beschlossen. Bevor die Schule genau heute vor 40 Jahren am 15. September ihren Betrieb zunächst in den Räumen der städtischen Erich-Kästner-Grundschule aufnehmen durfte, hatten engagierte Eltern in der Übergangszeit außerschulischen Unterricht organisiert. 1988 zog die Gesamtschule in die ehemalige Nievenheimer Hauptschule an der Marie-Schlei-Straße 6 ein, die um mehrere Anbauten erweitert wurde. Heute ist die Gesamtschule die größte Schule der Stadt.

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens benannten Schulkonferenz und die Stadt als Träger die Schule nach der österreichischen Friedensaktivistin Bertha von Suttner. Und die stand heute im Mittelpunkt der Feier: In „Laaf ju Bertha“ setzt sich der Darstellen & Gestalten Kurs aus dem Jahrgang 10 auf originelle Weise mit der Namenspatronin der Schule auseinander und erhielt dafür lange anhaltenden Beifall. Über das biographische Theater, Bilder, Musik („Die Waffen nieder“, Reinhard Mey, „Sag mir wo die Blumen sind“, Marlene Dietrich), Artikel und Filme und nicht zuletzt den Bertha-von-Suttner Roman „Die Waffen nieder“ näherten die Schülerinnen und Schüler sich der Biographie der ersten Frau an, die 1905 den Friedensnobelpreis nach langem Widerstand erhielt. Aus dem zunächst spöttisch gemeinten Ausdruck „Friedens-Bertha“ wurde später ein respektvoller Spitzname. Dass der aktuelle US-Präsident gerne ein Nachfolger von Bertha-von-Suttner sein möchte, wurde humoristisch ins Stück eingebaut...

Das Fazit der Theatermacher: „Herausgekommen ist eine Hommage an eine besondere Frau - unsere Bertha - aber auch an jeden anderen, der den Mut aufbringt, die Augen aufzumachen und zu handeln.“ Weitere Aufführungen des Stücks sind am Donnerstag, 17. September, um 10 Uhr, sowie beim Schulfest am Samstag, 19. September, um 10.10 und 12.12 Uhr in der kleinen Turnhalle. Ein dickes Dankeschön gab es heute für Verena Tente, Klaus Gawlick und Daniel Hisznauer, die als Lehrkräfte zum Gelingen beitrugen. „Das war großes Theater trotz kleinster technischer Mittel“, fand Andrea Hurtz einen Tag nach ihrem 66. Geburtstag. Im nächsten Jahr wird eine Nachfolge für sie gesucht.

Eine weitere Uraufführung gab es später beim kleinen Empfang: Schülerinnen und Schüler trugen die neue BvS-Hymne unter der Leitung von Mareike Dam vor. Ludger Bunten (Text) und Klaus Gawlick (Musik) machten deutlich, dass die Hymne ohne KI erstellt wurde. Bürgermeister Erik Lierenfeld, der knapp drei Wochen jünger ist als die BvS, kennt das Entstehen nur vom Hörensagen. „Aber man hat den Eindruck, das war wilder Westen vor 40 Jahren.“

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