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Ganzheitlicher Ansatz beim Neubau der Realschule
09.07.2026 / 13:12 Uhr — Info Dormago / duz
Foto: Stadt Dormagen

Besichtigung vor Ort, von links: Sebastian Trautermann, Muzzafer Keskin (beide ALHO), Karsten Tückmantel (Bauleiter), Daniela Winter, Daniel Maag (ALHO), Lieselotte Heinz, Kurt Müller (Eigenbetrieb), Dr. Martin Brans
Wer jetzt die Realschule in Hackenbroich verlässt, der hat sicher etwas verpasst, kann sich aber mit den verbleibenden und den Schulstartern über ein neues Gebäude freuen, für das in diesen Tagen mit der „Inbetriebnahmerlaubnis“ zu rechnen ist. Die Hitze hat zwar in den vergangenen Wochen den Bauarbeitern zugesetzt, „wir liegen aber gut im Rennen“, blickt Dr. Martin Brans zufrieden auf den eingehaltenen Zeitplan. „Dieser Neubau zeigt, wie facettenreich nachhaltiges Bauen ist“, sagt der Technische Beigeordnete der Stadt Dormagen. „Das Projekt ist ein gutes Beispiel dafür, dass wir Nachhaltigkeit nicht nur an Baustoffen festmachen können. Entscheidend ist der Blick aufs Ganze – also auch auf eine moderne Gebäudeausstattung und die langfristige Instandhaltung. Nur so entstehen Gebäude, die wirklich zukunftsfähig sind.“ Nach Abstimmung mit der Schulleitung wird die förmliche Eröffnung am 1. Oktober gefeiert.
Besichtigung vor Ort, von links: Sebastian Trautermann, Muzzafer Keskin (beide ALHO), Karsten Tückmantel (Bauleiter), Daniela Winter, Daniel Maag (ALHO), Lieselotte Heinz, Kurt Müller (Eigenbetrieb), Dr. Martin Brans
Die Stadt Dormagen investierte rund 45 Millionen Euro in das moderne, viergeschossige Schulgebäude für bis zu 816 Schülerinnen und Schüler. Realisiert wurde das Projekt gemeinsam mit dem Generalunternehmer ALHO Systembau GmbH unter Berücksichtigung der Anforderungen des Gold-Standards der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Die Realschule wurde in Holz-Hybrid-Modulbauweise errichtet. Die Primärkonstruktion besteht weit überwiegend aus Holz, das als CO₂-Speicher wirkt und zu einem angenehmen Raumklima beiträgt. Ergänzt wird die Konstruktion durch Recyclingstahl, dessen Herstellung deutlich geringere CO₂-Emissionen verursacht als konventionell hergestellter Stahl. Die insgesamt 219 Raummodule für den Neubau wurden industriell vorgefertigt, wodurch Bauabfälle zusätzlich reduziert werden konnten. Zwischen Juli und September 2025 erfolgte die Montage der Module vor Ort. Im Vergleich zu einer konventionellen Bauweise verkürzte sich die Bauzeit dadurch um rund 70 Prozent.
„Es freut uns sehr, dass dieses Projekt – dank des außergewöhnlichen Einsatzes aller Projektbeteiligter – so erfolgreich und in so kurzer Zeit umgesetzt werden konnte“, erklärt Sebastian Trautermann von ALHO Systembau GmbH. „Mit unserer modularen Bauweise können wir nachhaltige und zukunftsweisende Gebäude nicht nur schnell, sondern auch ressourcenschonend sowie mit hoher Planungs- und Kostensicherheit realisieren.“
„Die modulare Bauweise bot für uns auch im Hinblick auf den laufenden Schulbetrieb neben der Baustelle entscheidende Vorteile“, stellt Daniela
Winter fest: „Durch die Vorfertigung der Module und die verkürzte Bauzeit konnten der Baustellenverkehr sowie Lärm- und Staubemissionen für Schüler und Anwohnerschaft deutlich reduziert werden“, macht die Leiterin des Eigenbetriebs Dormagen deutlich. Auch im Hinblick auf die Kreislaufwirtschaft wurde das Gebäude ressourcenschonend geplant und gebaut. Durch den weitgehenden Verzicht auf komplexe Verbundbaustoffe können Materialien leichter getrennt und am Ende der Nutzungsdauer besser recycelt werden. Auf der Baustelle trug ALHO Systembau GmbH durch ein effizientes Anlieferungskonzept und ein recyclingorientiertes Entsorgungskonzept zur positiven Nachhaltigkeitsbilanz der Schule bei.
Bei der Planung wurde zudem großer Wert auf einen langfristig energieeffizienten Betrieb gelegt. „Die Qualität eines Gebäudes bemisst sich nicht allein an den Baumaterialien und Baukosten, sondern auch daran, wie ressourcenschonend und kosteneffizient es über Jahrzehnte genutzt und betrieben werden kann“, unterstreicht Lieselotte Heinz, Nachhaltigkeitsmanagerin der Stadt Dormagen. Auf den Dachflächen wurden Photovoltaikanlagen installiert. Ergänzt wird das Energiekonzept durch Luft-Wärmepumpen, die bei Bedarf auch zur unterstützenden Kühlung eingesetzt werden können, zentrale Lüftungsanlagen sowie eine intelligente Gebäudeleittechnik. Diese steuert die technischen Anlagen bedarfsgerecht, optimiert den Energieverbrauch und trägt so zur Senkung der Betriebskosten bei.
Die Außenanlagen wurden ebenfalls klimaangepasst gestaltet. Begrünte Dachflächen verbessern das Mikroklima und fördern die Biodiversität. Große Rigolen speichern Regenwasser und entlasten die Entwässerungssysteme bei Starkregen. Bestehende Bäume konnten weitgehend erhalten und durch zusätzliche Pflanzungen ergänzt werden. Durch Bäume und einen Pavillon entstehen auf dem Schulgelände attraktive, verschattete Bereiche, die die Aufenthaltsqualität deutlich verbessern und zugleich einen wichtigen Beitrag zum Hitzeschutz leisten.
Nachhaltigkeit endet aber nicht bei ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten – auch soziale Aspekte spielten bei der Planung der Realschule eine zentrale Rolle. Die Realschule wurde barrierefrei errichtet und als so genannte Clusterschule konzipiert. Flexible Lernbereiche ermöglichen unterschiedliche Unterrichtsformen und fördern sowohl individuelles als auch gemeinschaftliches Lernen. Multifunktionale Flächen, darunter die kombinierte Aula- und Mensanutzung, schaffen zusätzliche Möglichkeiten für Begegnung und Austausch. Insgesamt entstand so ein Schulumfeld, das „zeitgemäßes Lernen in einer offenen Atmosphäre unterstützt.“
„Unser Ziel ist es, zukunftsorientiert zu planen und zu bauen und den Lebenszyklus bei unseren Bauprojekten stärker in den Mittelpunkt zu rücken“, fasst Bürgermeister Erik Lierenfeld zusammen. „Das ist ein komplexer Prozess, der neue Perspektiven auf Kostenbetrachtung und Planung erfordert.“
Info
Der Bau und Betrieb von Gebäuden hat einen wesentlichen Anteil am Energieverbrauch und an den Treibhausgasemissionen in Deutschland. Gleichzeitig bietet der Bausektor große Potenziale, Ressourcen zu schonen und zukunftsfähige Gebäude zu schaffen. Die Stadt Dormagen verfolgt bei ihren Neubauten deshalb einen ganzheitlichen Lebenszyklusansatz, der Nachhaltigkeit in Planung, Bau, Betrieb und spätere Wiederverwertung gleichermaßen berücksichtigt.
Bei den Neubaumaßnahmen des Eigenbetriebs – von Schulgebäuden bis zu Feuerwehrhäusern – setze die Stadt auf den Einsatz nachhaltiger und ressourcenschonender Baustoffe, moderner und energieeffizienter Wärme- und Energieversorgungssysteme sowie eine klimaangepasste Gebäudegestaltung. Alle Neubauvorhaben orientieren sich mindestens an den Standards der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Gleichzeitig schaffe auch die WORADO bezahlbaren und zukunftsorientierten Wohnraum, der hohe ökologische Standards erfülle.
