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Das Herzensprojekt von Jessica Beitzel und Annette Höpfner

02.07.2026 / 7:53 Uhr — Dormago / duz

Foto: Dormago / duz Sie haben das Zinnoberhaus ins Leben gerufen: Jessica Beitzel (links) und Annette Höpfner
Sie haben das Zinnoberhaus ins Leben gerufen: Jessica Beitzel (links) und Annette Höpfner
Nach einer langen und intensiven Vorbereitung freuen sich viele kleine und große Menschen auf den kommenden Samstag. Am 4. Juli wird am Höhenberg nicht nur für den guten Zweck gekickt, es kommt auch der bundesweit bekannte Schiri „Qualle“ nach Dormagen. Der pfeift, leitet einen Workshop und gibt Autogramme. Der Erlös der gesamten Veranstaltung kommt dem Zinnoberhaus zugute. Da schließt sich der Kreis: Dennis und Jessica Beitzel vom Bestattungshaus Hüsgen sind die Veranstalter des Charity-Turniers - und Jessica Beitzel hat mit Annette Höpfner vor zwei Jahren das Zinnoberhaus an der Schillerstraße ins Leben gerufen. Der Name bezieht sich auf den Kinderbuch-Klassiker „Zinnober in der grauen Stadt“ von Margret Rettich. Wie in dem Buch wollen die beiden Trauerbegleiterinnen einen Ort ohne Grau- und Schwarzmaler schaffen. Im Gegenteil: Sie wünschen sich Räume „mit Buntmalern - voller Leben, Freude, Erinnerung und Liebe für alle Menschen, die den Weg zu uns finden.“

Bunt ist es bereits im Zinnoberhaus und auch draußen im Garten, wo im letzten Jahr beim ersten Sommerfest der Hoffnungspark entstand. Mit bemalten Steinen, mit bunten Bändern, bei denen jede Farbe eine besondere Bedeutung hat und seit neuestem auch mit einer Klagemauer. In die Ritzen und Spalten können wie beim Vorbild in Jerusalem Zettel oder Briefchen mit zum Beispiel Botschaften und Wünschen gefüllt werden. „Es sind persönliche Nachrichten, wir lesen sie nicht“, erklärt Annette Höpfner. In der Wohnung sind Namen aufgemalt und damit auch sichtbar, „das macht Situationen greifbarer.“ Und es gibt Gegenstände, mit denen ein Bezug zum Thema hergestellt wird: Etwa ein Trauerherz, das geteilt werden kann und so zu zwei Tränen wird, beim Wiederherstellen bleibt eine Narbe.

Jessica Beitzel und Annette Höpfner hatten nach ihren Ausbildungen zu Trauerbegleiterinnen unabhängig voneinander ähnliche Absichten. Eher zufällig haben sie sich getroffen und konnten damit beginnen, ihr Herzensprojekt zu entwickeln. Heute steht für Beide fest: „Der Einsatz ist jede Minute wert.“ Das zeigt sich auch bei Rückmeldungen von Trauernden, bei denen der Verlust schon länger zurückliegt: „Ich hätte mir gewünscht, dass das Zinnoberhaus schon früher da gewesen wäre.“ Die Ansprechpartner für „trauernde Familien, Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, verwaiste Eltern bei einem Trauerfall oder auch bei einer lebensverkürzenden Diagnose“ wollen Einsamkeit aufbrechen und schaffen die Basis für Antworten auf Fragen: ´Wie lebe ich weiter nach einem Verlust` oder `Wie kann ich die Trauer in mein Leben integrieren`.

Dank ihrer Ausbildung sind Beitzel und Höpfner in der Lage, auch mit Ausnahmesituationen umzugehen. „Es ist wichtig, dass wir gut hinhören und hinsehen. Denn jede Situation stellt sich anders da.“ Wenn jemand davon spricht, dass er lebensmüde ist, dann heißt das nicht zwingend, dass er suizidal ist. Es kann eben auch einfach ein Zeichen der Erschöpfung sein, nachdem jemand anderes gestorben ist. Es ist einfach so: Wenn ein geliebter Mensch stirbt, wird das eigene Leben oft komplett auf den Kopf gestellt. In dieser Phase braucht es oft mehr als den eigenen Mut, um diesen Verlust zu bewältigen. Im Zinnoberhaus gibt es mehrere Räume, um offen über alle Gefühle zu sprechen und einen Weg zu finden, die Trauer zu verarbeiten. Zum Angebot gehören Einzelbegleitungen wie auch Trauergruppen. Und bei Bedarf machen die Begleiterinnen auch Hausbesuche. Weil die Arbeit zunimmt, freuen sich Annette Höpfner und Jessica Beitzel über die Mitarbeit weiterer Trauerbegleiter.

Ein aktuelles Angebot beim Turnier am Samstag: Dort am Höhenberg wird ein Erinnerungsort geschaffen mit beschrifteten Luftballons. „Es braucht keine Geschichte, keine Erklärung, nur einen Namen.“ Manche Leute können eben an diesem Tag nicht am Spielfeldrand stehen. Und trotzdem spielen wir für sie.“

Die Krönung des Benefiztages wäre natürlich das WM-Achtelfinale zwischen Deutschland und Frankreich gewesen. Auch ein Trauerfall. Aber das ist ein völlig anderes Thema.

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