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Waldschützer pflanzen „Baum des Jahres“ im Tannenbusch
25.04.2026 / 12:39 Uhr — Info Wald und Holz / SDW / Dormago
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Dormagen (SDW) lädt Mitglieder und interessierte Mitbürger zur Pflanzung „Baum des Jahres“ an diesem Sonntag, 26. April, in der Zeit von 10 bis 12 Uhr ein. Treffpunkt ist die Grillhütte am Tannenbusch. Der pensionierte Revierförster Theo Peters wird dann auch erläutern, warum die Zitterpappel zum Baum des Jahres gewählt wurde.Für den musikalischen Rahmen bei der Pflanzung sorgen die Jagdhornbläser des Hegering Dormagen. Nach der Pflanzung findet eine Führung über den neuen Baumpfad statt. Dort gibt es Informationen zu verschiedenen Baumarten. Anschließend sind die Teilnehmer zu einem kleinen Umtrunk vor dem Museum Tannenbusch eingeladen.
Die Zitterpappel, oft einfach „Espe“ oder „Aspe“ genannt, ist ein Baum, den viele schon gesehen haben, ohne ihn bewusst wahrzunehmen. Dabei lohnt sich ein genauerer Blick, denn die heimische Baumart spielt im Klimawandel eine zunehmend wichtige Rolle – auch in Nordrhein-Westfalen. Typisch für die Espe sind ihre rundlichen, fein gezähnten Blätter, die selbst bei kaum spürbarem Wind in ständiger Bewegung sind. Dieses „Zittern wie Espenlaub“ entsteht durch die flach gedrückten Blattstiele und hat der Baumart ihren Namen gegeben. Früher glaubten Menschen, die Espe würde „vor Angst zittern“. In manchen Regionen galt sie sogar als geheimnisvoller Baum, unter dem es spuken könne. Heute wissen wir: Das Zittern hat einen praktischen Nutzen. Es sorgt dafür, dass die Blätter immer wieder ins Licht gedreht werden und nicht überhitzen.
In Nordrhein-Westfalen ist die Zitterpappel aktuell dort zu finden, wo Flächen offen oder gestört sind – etwa nach Stürmen, auf Brachflächen oder an Waldrändern. Nach den trockenen Sommern und den Schäden durch Borkenkäfer an Fichtenbeständen entstehen vielerorts genau solche Freiflächen. Hier zeigt die Espe ihre Stärke: Sie wächst schnell, ist anspruchslos und besiedelt diese Flächen oft als eine der ersten Baumarten.
Auf ehemaligen Fichtenflächen nach den Stürmen „Kyrill“, „Friederike“ oder jüngeren Dürreperioden taucht die Espe oft ganz von allein durch natürliche Verjüngung auf und bildet zusammen mit Birken oder Weiden junge Vorwälder. Diese sogenannten „Pionierwälder“ sind wichtige Zwischenschritte hin zu stabileren, gemischten Wäldern, denn sie erzeugen die notwendige Wohlfühlatmosphäre für die folgenden Baumarten wie Buche, Tanne, Eiche oder Esskastanie.
Die Espe als „Living Room“
Ökologisch ist die Zitterpappel ein echter Schatz: Über 100 Insekten- und Flechtenarten nutzen sie als Nahrungsquelle. Besonders Schmetterlinge profitieren davon – ihre Raupen sind häufig auf Espenblätter spezialisiert. Wer im Frühjahr genau hinschaut, kann an jungen Blättern kleine Fraßspuren entdecken. Diese wiederum locken Vögel an, die die Raupen fressen – ein kleines, lebendiges Netzwerk mitten im Wald. Die Rinde der Zitterpappel dient vielen Insekten und Flechten als Lebensraum.
Auch für den Menschen hat die Espe Vorteile. Ihr Holz ist sehr leicht und weich, dabei aber erstaunlich stabil. Es wird zum Beispiel für Verpackungen, Sperrholz, im Innenausbau oder bei der Herstellung von Prothesen verwendet. Eine eher unbekannte, aber interessante Nutzung: Weil Espenholz kaum splittert, wird es gern für Saunabänke oder auch für Spielgeräte eingesetzt. Es müssen nicht immer Tropenhölzer wie Bangkirai oder Teak sein.
Eine weitere Besonderheit ist ihre Vermehrung: Die Zitterpappel bildet oft sogenannte Wurzelschösslinge. Das bedeutet, aus einem einzigen Baum kann ein ganzes, genetisch identisches „Klonfeld“ entstehen – viele scheinbar einzelne Bäume gehören dann eigentlich zu einem einzigen Organismus. In Nordamerika gibt es Espen-Kolonien, die als die größten Lebewesen der Welt gelten. Auch wenn die Bestände in NRW deutlich kleiner sind, funktioniert das Prinzip hier genauso. Für die Wälder der Zukunft könnte die Zitterpappel eine wichtige Rolle spielen. Sie ist robust gegenüber wechselnden klimatischen Bedingungen, hilft schnell bei der Wiederbewaldung und schafft Lebensräume für viele Arten. Gleichzeitig bereitet sie den Boden für andere, anspruchsvollere Baumarten vor.
Wer also häufiger in der Natur unterwegs ist, sollte ruhig einmal genauer hinschauen: Wenn die Blätter eines Baumes leise „flimmern“, könnte es gut eine Zitterpappel sein – ein unscheinbarer, aber äußerst wichtiger Helfer im Wandel unserer Wälder mit einer wunderschönen gelben Herbstfärbung. Nach den ersten Herbstfrösten und dem Einsetzen des Blattfalls ist dann, nicht nur für Kinder, ein wunderbarer „Tanz durch die Goldtaler“ möglich.


