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CDU-Mitgliederversammlung: Neuer Vorstand, alte Konflikte
13.03.2026 / 14:45 Uhr — Dormago - bs
Foto: Dormago - Bärbel Suling

Der neue Vorstand mit Dieter Hartig, Lisa Kern, Torsten Zur, Willi Feiser, Heike Vogel (v. li.) und Stefan Strunk (2. V. re.) sowie mit Dr. Jörg Geerlings MdL (3. v. re.) und Ansgar Heveling MdB (re.), die den CDU-Kreisvorstand vertraten
CDU-Kreisvorsitzender Ansgar Heveling MdB und sein Stellvertreter Dr. Jörg Geerlings MdL verfolgen die Ausführungen der ehemaligen Dormagener CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Anissa Saysay
Der Donnerstagabend sollte für die Dormagener CDU eigentlich einen Neuanfang markieren. Nach internen Streitigkeiten, einer verlorenen Bürgermeisterwahl und der Spaltung der Ratsmitglieder in zwei Fraktionen sollte auf einer vom Kreisvorstand einberufenen Mitgliederversammlung ein neuer Stadtverbands-Vorstand gewählt und damit der Weg für die Zukunft geebnet werden.
Der neue Vorstand mit Dieter Hartig, Lisa Kern, Torsten Zur, Willi Feiser, Heike Vogel (v. li.) und Stefan Strunk (2. V. re.) sowie mit Dr. Jörg Geerlings MdL (3. v. re.) und Ansgar Heveling MdB (re.), die den CDU-Kreisvorstand vertraten

CDU-Kreisvorsitzender Ansgar Heveling MdB und sein Stellvertreter Dr. Jörg Geerlings MdL verfolgen die Ausführungen der ehemaligen Dormagener CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Anissa Saysay
Doch bereits bei den Berichten zur aktuellen Lage und zur Kasse wurde deutlich, dass die Konflikte weiter schwelen – nicht nur innerhalb des Stadtverbands, sondern auch zwischen der früheren Vorsitzenden Anissa Saysay und dem CDU-Kreisvorstandvorsitzenden Ansgar Heveling.
Für erhebliche Unruhe sorgte insbesondere Hevelings Bericht über die Finanzlage der Dormagener Christdemokraten. Während der Kassenbestand Ende 2023 noch rund 132.000 Euro und Ende 2024 noch knapp 119.000 Euro betragen habe, seien aktuell nur noch 3616 Euro vorhanden. Für die Erstellung eines Kassenberichts warf er der früheren Stadtverbandsführung mangelnde Kooperation vor. Zudem seien Kassenbelege nur lückenhaft eingereicht worden, sodass nicht alle Ausgaben nachvollzogen und Auffälligkeiten nicht geklärt werden könnten. Als Grund für fehlende Unterlagen sei ein Einbruch in das CDU-Büro genannt worden, bei dem vermutlich zwei Ordner mit Belegen gestohlen worden seien. Der Vorfall sei vom Stadtverband allerdings nicht bei der Polizei angezeigt worden. Derzeit würden sämtliche Unterlagen gesichtet, geprüft und hinsichtlich möglicher rechtlicher Folgen bewertet. Inzwischen sei ein Sonderermittler eingeschaltet worden, um die Finanzlage des Stadtverbands zu klären. Eine Entlastung des früheren Vorstands sei deshalb derzeit nicht möglich.
Die ehemalige Schatzmeisterin Monika Walter wies Vorwürfe im Rahmen der Kassenführung zurück. Sie habe in ihrer ehrenamtlichen Funktion nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und daraus keinen persönlichen Vorteil gezogen. Zahlungen seien nur mit entsprechenden Nachweisen erfolgt. Neben einem freigegebenen Wahlkampfbudget seien lediglich übliche Parteiveranstaltungen finanziert worden. Die öffentliche Diskussion über ihre Person bezeichnete sie als politische Kampagne, nicht als sachliche Aufarbeitung.
Auch Anissa Saysay ging in ihrer Rede zum Angriff über. Sie warf verschiedenen Parteimitgliedern vor, sie nicht im Bürgermeisterwahlkampf unterstützt zu haben, sondern sich stattdessen kurz vor der Stichwahl zugunsten des SPD-Kandidaten Erik Lierenfeld positioniert zu haben. Mit ihrem Verhalten trügen sie damit Verantwortung für die verlorene Stichwahl.
Zudem verteidigte Saysay die hohen Ausgaben und Wahlkampfkosten und erklärte, diese seien notwendig gewesen, um beispielsweise die Sichtbarkeit der Partei wieder zu erhöhen oder notwendige Maßnahmen, die nicht ehrenamtlich gemeistert werden konnten, auszusourcen. Zur Prüfung der Kasse habe sie alle Kontoauszüge eingereicht, die die Zahlungen detailliert auswiesen. Fehlende Belege ließen sich über die jeweiligen Zahlungsempfänger problemlos vom Kreisvorstand in Kopie wiederbeschaffen. Heveling warf sie eine Vorverurteilung vor.
Zudem kritisierte sie den Kreisvorstand wegen eines aus ihrer Sicht verschleppten Parteiausschlussverfahrens gegen CDU-Ratsmitglieder, die sich in einer zweiten Fraktion (Dormagener Bürger Union - DBU) zusammengeschlossen haben.
Auch die Aussprache über die Berichte brachte keinen Konsens innerhalb der Mitgliedschaft. Viele Fragen – vor allem zu den Finanzen – blieben offen. Zudem steht noch aus, wie die laufenden Parteiausschlussverfahren ausgehen.
Die anschließenden Vorstandswahlen machten deutlich, dass die Gräben zwischen den Lagern weiterhin bestehen. Zum neuen Vorsitzenden wurde der 48-jährige Fahrschulinhaber Torsten Zur gewählt. Er war der einzige Kandidat. Auf ihn entfielen 83 Ja-Stimmen, 14 Mitglieder stimmten dagegen, weitere 14 enthielten sich.
Auf Antrag reduzierte die Versammlung die Zahl der stellvertretenden Vorsitzenden von vier auf zwei. Zunächst hatten sich fünf Personen beworben. Nachdem CDU-Fraktionschef Peter-Olaf Hoffmann den Bewerber Dr. Michael Conrad wegen seiner Haltung zu Anissa Saysay kritisiert und die Mitglieder aufgefordert hatte, ihn nicht zu wählen, zog dieser seine Kandidatur zurück. Er begründete dies damit, dass sich mit einem solchen Vorgehen keine Brücken bauen ließen. Gewählt wurden schließlich der 69-jährige Familienunternehmer Willi Feiser mit 76 der 111 gültigen Stimmen sowie die 20-jährige JU-Vorsitzende Lisa Kern mit 70 Stimmen.
Zur Schatzmeisterin wählten die Mitglieder die Steuerfachangestellte Heike Vogel, zum Geschäftsführer den 27-jährigen Fabian Dresen und zum Mitgliederbeauftragten den 77-jährigen Dieter Hartig. Das Amt des stellvertretenden Kassierers übernahm Stefan Strunk. CDU-Fraktionschef Peter-Olaf Hoffmann hatte zuvor darauf hingewiesen, dass Strunk Mitglied der abgespaltenen DBU-Fraktion im Rat ist. Strunk erklärte auf Nachfrage, er werde die DBU im Falle seiner Wahl verlassen.
Aus 18 Kandidaten wurden außerdem zwölf Beisitzer gewählt.
In seinem Schlusswort rief der neue Vorsitzende Zur zu mehr Zusammenhalt auf. Die Dormagener CDU brauche „Resilienz, eine andere Streitkultur und neue Hoffnung“. Er zeigte sich dankbar für das neue Team und sagte: „Wir schaffen das.“ Die Veranstaltung endete um 23.45 Uhr.

