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Erfolgreiche Behandlung selbst sehr großer Narbenbrüche
18.02.2026 / 14:33 Uhr — Info Dormago / duz
Foto: Rheinland Klinikum

Bei sehr großen Narbenhernien erzielt Dr. Nicholas Bohnert (links) gute Erfolge mit der Kombination aus Botox-Gaben und einer schonenden Dehnung der Bauchwand
Dormagen. Eine neuartige Kombination aus Botox-Injektionen und gezielter Bauchwand-Dehnung ermöglicht am Krankenhaus Dormagen die erfolgreiche Behandlung selbst sehr großer Narbenbrüche (Hernien). Chefarzt Dr. Nicholas Bohnert, Leiter der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, setzt das Verfahren als bislang Einziger im Rhein-Kreis Neuss ein.
Bei sehr großen Narbenhernien erzielt Dr. Nicholas Bohnert (links) gute Erfolge mit der Kombination aus Botox-Gaben und einer schonenden Dehnung der Bauchwand
Hernien, beispielsweise Leisten- oder Nabelbrüche, gehören zu den häufigsten Erkrankungen, die viszeralchirurgisch versorgt werden müssen. Ein besonderes Krankheitsbild stellen große bis sehr große Narbenbrüche mit Bruchlücken von mehr als zehn Zentimetern dar, deren – meist operative – Behandlung als besonders anspruchsvoll gilt. Sie treten häufig nach großen Bauchschnitten im Bereich der früheren Operationsnaht auf. „Eine Narbenhernie kann erhebliche Einschränkungen im Alltag mit sich bringen, die körperliche Belastbarkeit verringern und mitunter große Schmerzen verursachen“, sagt Bohnert. „Hinzu kommt das Risiko, dass innere Organe regelrecht im Bruch eingeklemmt werden können. Dann werden diese Brüche schnell zum lebensbedrohlichen Notfall.“
Husten wurde zur Qual
So war es auch bei Nadja K.: Nach mehreren Darm-OPs entwickelte sich bei ihr ein Narbenbruch. Ein eigentlich notwendiger Eingriff zur Behebung der Hernie in einer anderen Klinik musste wiederholt verschoben werden. Um den Alltag überhaupt bewältigen zu können, war sie monatelang auf ein stützendes Korsett angewiesen. „Ohne das ging gar nichts“, beschreibt die Düsseldorferin diese Zeit. Dennoch wurde der Bruch mit der Zeit größer, bis sich schließlich innere Organe in die Gewebelücke drängten. „Husten wurde zur Qual, ein normaler Toilettengang war extrem schmerzhaft“, sagt sie. Ein Zustand, der sie auch seelisch belastete. Dann machte ihr behandelnder Arzt in der Landeshauptstadt sie auf die innovative Methode aufmerksam, die in der Chirurgischen Klinik in Dormagen angewandt wird. Das Krankenhaus im Ortsteil Hackenbroich wurde von der Deutschen Herniengesellschaft mit dem Siegel für Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie ausgezeichnet.
Mehrere Wochen vor dem Operationstermin injizierte Dr. Nicholas Bohnert seiner Patientin Botulinumtoxin (Botox) in die seitlichen Bauchmuskeln. Durch die Botox-Injektion entspannen sich diese Muskelpartien, wodurch sich die Bauchwand leichter schließen lässt. Dieses Verfahren wendete der Hernien-Spezialist zusammen mit einer Arbeitsgruppe aus Hamburg erstmalig 2017 in Deutschland an. Mittlerweile hat sich die Methode bei komplexen Narbenbrüchen etabliert. Während des eigentlichen Eingriffs wird zusätzlich ein spezielles Gerät zur „Faszientraktion“ eingesetzt, das die Bauchdecke schonend dehnt und einen spannungsarmen Verschluss ermöglicht.
„Beide Methoden sind jede für sich wirksam, aber erst die Kombination beider Verfahren liefert besonders gute Ergebnisse“, erklärt Bohnert. Der zeitaufwendige Eingriff ist für alle Patienten geeignet, die OP- und narkosefähig sind.
„Die Bauchmuskulatur ist dort, wo sie hingehört“
Zwei Wochen nach dem Eingriff bei Nadja K. überprüft Dr. Nicholas das Ergebnis per Ultraschall: „Das sieht alles sehr gut aus, die Bauchmuskulatur ist dort, wo sie hingehört“, sagt der Chirurg zufrieden und gibt der 63-Jährigen noch ein paar Empfehlungen mit auf den Heimweg: „Bewegen Sie sich möglichst normal, gehen Sie an die frische Luft, auch Schwimmen ist jetzt wieder möglich. Und ernähren Sie sich eiweißreich.“
