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„Sein Lächeln hat über den gesamten Schulhof gestrahlt“

06.02.2026 / 18:40 Uhr — Dormago / duz

Foto: Dormago / duz Bei der Trauerfeier, von links: Bürgermeister Erik Lierenfeld, Pfarrerin Stefanie Eschbach, Pfarrer Beza Mengistu und Pfarrvikar Pater Jaison Kavalakatt
Bei der Trauerfeier, von links: Bürgermeister Erik Lierenfeld, Pfarrerin Stefanie Eschbach, Pfarrer Beza Mengistu und Pfarrvikar Pater Jaison Kavalakatt Für die Realschulklasse sprach Luisa bewegende Worte
Für die Realschulklasse sprach Luisa bewegende Worte Mitglieder des Hundevereins und Schäferhunde mit Trauerschleifen
Mitglieder des Hundevereins und Schäferhunde mit Trauerschleifen
Eine beeindruckende, emotionale und angemessene Trauerfeier: Rund 1000 Menschen nahmen heute Abschied von dem aus Eritrea stammenden Yosef M. (14), der offenbar von einem 12-Jährigen getötet wurde. „Wir sind bestürzt über die neuen Informationen und müssen befürchten, dass dadurch viele Menschen nachhaltig traumatisiert sein werden. Vor allem auch viele Kinder und Jugendliche. In den kommenden Wochen und Monaten wird es auch unsere Aufgabe sein, diese Menschen dabei zu begleiten“, sagte Bürgermeister Erik Lierenfeld auf dem Delhovener Sportplatzgelände. Die nun wahrscheinliche Gewissheit sei gut für die Familie von Yosef, um das Geschehene besser verarbeiten zu können. Lierenfeld: „Dass aber die Tat von einem Minderjährigen verübt wurde, macht das Ganze nur noch unfassbarer.“

Pfarrer Beza Mengistu von der Äthiopisch-Orthodoxen Gemeinde dankte den vielen Gästen: „Viele auch junge Menschen verlassen uns zu früh durch Krieg oder Hunger. Die meisten haben nicht die Gelegenheit, auf diese Weise beerdigt zu werden. Die Anwesenheit heute zeigt den Zusammenhalt in dieser Stadt und ganz besonders in Delhoven.“ Sein tiefes Mitgefühl drückte ebenfalls der katholische Pfarrvikar Pater Jaison Kavalakatt aus. Und die evangelische Pfarrerin Stefanie Eschbach machte deutlich: „Es ist so schwer, von einem Menschen Abschied zu nehmen, der sein Leben gerade erst begonnen hat.“

Mitschülerin Luisa aus der 7. Klasse der Realschule erinnerte in berührenden Worten an den Klassensprecher Yosef: „Sein Lächeln hat über den gesamten Schulhof gestrahlt. Mit ihm konnte man sprechen, er hat zugehört und war für einen da. Zu wissen, dass jemand mit so viel Herz, Einsatz und Verantwortung nicht mehr da ist, das tut unglaublich weh.“ Für den Schäferhundeverein Delhoven fand Jugendwartin Carmen Posser die passenden Worte: „Yosef stand immer am Zaun und beobachtete das Hundetraining. Irgendwann haben ihn Vereinsmitglieder gefragt, ob er mitmachen will.“ Für den Verein war das ein Glücksfall, denn Yosef hatte Talent im Hundesport, war auch erfolgreich bei Meisterschaften, „war aber nicht nur auf den Erfolg fixiert.“ Es war sein größter Traum, demnächst an einer deutschen Jugendmeisterschaft teilzunehmen. Posser: „Ich verspreche dir Yosef, wir werden dorthin fahren und du bist der Sieger in unseren Herzen.“ Vor dem Sportplatzgelände standen Vereinsmitglieder mit Schäferhunden, die Trauerschleifen trugen.

Beim FC Delhoven war Yosef Torwart, der „nie aufgegeben hat“, sagte Sascha Weick. Ein besonderes Tor widmeten die jungen Fußballer ihrem Schlussmann: Ein mit Unterschriften aller Spieler versehener Fußball wurde ins Tor geschossen, in dem die Torwandhandschuhe von Yosef lagen. Kerstin Ruhe, die den Trauermarsch am letzten Samstag initiiert hatte, erinnerte an Yosefs Berufswunsch: „Er wollte Abi machen, Arzt werden und anderen helfen. Und sein großer Wunsch war, seine Großeltern kennenzulernen.“ Ihre Trauer drückten auch Lara und Rutha aus, Mitschülerinnen aus Yosefs Grundschulzeit.

Musikalisch umrahmt wurde die Trauerfeier von einem Lieblingslied des 14-Jährigen: „Diamonds“ von Rihanna, nachdem zu Beginn „I´m not what happened to me“ von Good Vibes Tribe zu hören war. Eine besondere Erinnerung zum Abschluss: „Bad Reputation“ von Joan Jett – das Lied, das Yosef sich für die deutsche Hundesportmeisterschaft ausgesucht hatte.

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