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„Hallelujah & Schalom“ - eine Verneigung vor Leonard Cohen
02.12.2025 / 11:03 Uhr — Dormago / duz
Foto: Dormago / duz

Pfarrer Frank Picht begrüßte Lutz Debus (links) und Holger Jenrich in der Christuskirche
Vor zwei Jahren fand der erste Leonard-Cohen-Abend „Hallelujah & Schalom“ in der Alten Synagoge in Hagen-Hohenlimburg statt. An mehr hatten Lutz Debus und Holger Jenrich zunächst nicht gedacht. „Aber die Synagoge war bis auf den letzten Platz gefüllt. Und dann kamen Anfragen aus anderen Städten“, erinnern sich die Beiden an die Anfänge der Erfolgstournee. Der Auftritt in der Christuskirche Dormagen war jetzt so etwas wie ein Heimspiel für Debus. Schließlich hinterließ der Sozialpädagoge und Musiker hier nach 23 Jahren Jugendarbeit beim Evangelischen Sozialwerk Spuren. Er entwickelte in Hackenbroich mit Jugendlichen unter anderem ein vielbeachtetes Videoformat und rief zusammen mit Eltern die „KUNTERBÄÄND“ ins Leben.
Pfarrer Frank Picht begrüßte Lutz Debus (links) und Holger Jenrich in der Christuskirche
Lutz Debus und Holger Jenrich, Tageszeitungsredakteur, Buchautor und Publizist, stammen aus dem Kreis Unna und sind seit 47 Jahren „ziemlich beste Freunde“. Sie verbindet im besonderen Maße die Liebe zu Leonard Cohen. Dreimal hörte Debus dem kanadischen Singer-Songwriter live zu, Jenrich brachte es auf ein Dutzend Cohen-Konzerte. Als sie ein einziges Mal gemeinsam angereist waren, mussten sie miterleben, wie ihr Lieblingssänger Ende Mai 1993 vom Rock am Ring-Publikum ausgepfiffen und mit diversen Gegenständen beworfen wurde. Mit den eher leisen Tönen von Cohen konnten die Anhänger der verschiedenen Heavy-Metal Bands nicht sehr viel anfangen. Beeindruckt waren Debus und Jenrich damals von Marek Lieberberg: Der Mitveranstalter des Festivals appellierte von der Bühne an das Publikum, solche Pfiffe sein zu lassen – gerade auch aufgrund des schrecklichen Neonazi-Anschlags in Solingen in der Nacht zuvor sei Toleranz gegenüber dem Gewaltgegner und aus einem jüdischen Elternhaus stammenden Cohen angebracht.
Es sind diese Zweiteilungen, die den Abend so interessant und nachhaltig machen: Einerseits der Musik von Leonard Cohen zu lauschen - den musikalischen Part (Gesang, Gitarre, Kontrabass) übernimmt vor allem Lutz Debus; andererseits in das Leben des Sängers, intellektuellen Poeten und Frauenschwarms eingeführt zu werden – die überwiegende Aufgabe von Holger Jenrich. Die Beiden teilen zudem persönliche Erinnerungen mit, sprechen über das eigene Aufwachsen und die Auseinandersetzung mit der Rolle des Vaters im Nationalsozialismus.
Leonard Cohen (1934 - 2016), begann seine Konzerte zumeist mit „Bird on a Wire“ – den Auftakt übernehmen Debus und Jenrich aus Überzeugung. Zum Programm in der Christuskirche gehören solche unvergessenen „Signature Songs“ wie natürlich eins der bekanntesten Lieder „Hallelujah“, bei dem die Zuhörer nahezu automatisch zu Mitsängern werden. Aber auch unbekanntere Songs, bei denen man nicht sofort an Cohen denkt, werden vorgetragen. Und dann kommt der Mann, der eigentlich gar kein Sänger werden wollte, selbst zu Wort. Der Titelsong „You want it darker“ des letzten Albums, das kurz vor Leonard Cohens Tod erschien, ist von der Schallplatte zu hören. Das „schwärzeste Album der Popgeschichte“ schrieb seinerzeit die „Süddeutsche Zeitung“. „Das können und wollen wir nicht vortragen“, sagt Debus.
Der Applaus nach einem mitnehmenden Abend in der Christuskirche hält lange an.

