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Diskussionen um Treppenlifter-Lösung am Römerhaus
19.11.2025 / 16:40 Uhr — Dormago - bs
Zweimal wöchentlich öffnet der Caritas-Secondhand-Shop in den Kellerräumen des Pfarrzentrums „Römerhaus“ an der Kölner Straße für zwei Stunden seine Türen für Besucherinnen und Besucher, die gebrauchte Kleidung oder Haushaltswaren zu günstigen Preisen suchen. Der Zugang erfolgt ausschließlich über eine außenliegende Steintreppe und ist daher nicht barrierefrei.Damit auch Menschen mit Gehbeeinträchtigungen den Shop besuchen können, setzt sich die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) Dormagen mit ihrem Vorsitzenden Ulrich Millen und seiner Stellvertreterin Tina Kühn seit 2023 für die Installation eines Treppenlifters ein – zumal auch der Römerkeller sowie das Jugendcafé Micado in den Kellerräumen liegen.
Wie die CDA nun in einer Medienmitteilung erklärt, wurden auf Grundlage konkreter Angebote mehrerer Fachfirmen Umsetzungsmöglichkeiten mit den für die unterschiedlichen Nutzungen zuständigen Institutionen besprochen. Sowohl die Kirchengemeinde St. Michael als Eigentümerin der Räume, der Caritasverband Neuss, das Katholische Jugendamt Düsseldorf als auch die Stadt Dormagen hätten laut Millen finanzielle Beteiligungen signalisiert, Fördermöglichkeiten seien bereits angefragt worden.
Trotz dieser aus Sicht von Millen und Kühn positiven Perspektive hätten nun sowohl die kirchliche als auch die caritative Seite für das Projekt ein Stoppzeichen gesetzt. Die Initiatoren des Projekts fühlen sich im Stich gelassen und folgern: „Diese Institutionen sind nicht bereit, letztlich tragbare Finanzmittel einzusetzen, um Teilhabe zu ermöglichen.“
Pfarrer Dr. Heribert Lennartz von der Gemeinde St. Michael betont auf Nachfrage von DORMAGO.de: „Wir danken Herrn Millen und Frau Kühn sehr für die Initiative, die Räume im Kellergeschoss des Römerhauses – Kleiderkammer, micado, Römerkeller – auch für Menschen mit Gehbehinderung zugänglich zu machen. Die konkreten Möglichkeiten hierzu wurden von allen Beteiligten eingehend geprüft.“ Das bestätigt auch Hermann Josef Thiel, Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes im Rhein-Kreis Neuss. Die Caritas sei sich der Zugangsproblematik durchaus bewusst: „Wir sind schon länger auf der Suche nach einer nachhaltigen Lösung.“
Bei einem Treppenlifter seien jedoch nicht nur die Installationskosten, sondern auch laufende Ausgaben für Wartung und Reparaturen zu berücksichtigen. Dazu lägen bisher keine belastbaren Zahlen vor, sodass die dauerhafte Finanzierung noch nicht eingeschätzt werden könne. „Die Verantwortung für den Umgang mit finanziellen Ressourcen wird nicht dadurch aufgehoben, dass Zuschüsse gewährt oder in Aussicht gestellt werden“, so Pfarrer Dr. Lennartz.
Zudem sei nicht geklärt, wer den sachgerechten Betrieb und die Nutzung des Treppenlifters überwachen würde, ergänzt Thiel. Hinzu komme, dass auch Türen und Kellerräume selbst nicht barrierefrei seien, sodass ein Treppenlifter nur einen Teil des Gesamtproblems lösen würde. Pfarrer Dr. Lennartz: „Es ist eine besondere Herausforderung, ein Gebäude aus den 70er-Jahren behindertengerecht nachzurüsten.“
Thiel abschließend: „Wir arbeiten täglich daran, allen Menschen den Zugang zu unseren Angeboten zu ermöglichen. Da unsere finanziellen Mittel begrenzt sind, müssen wir bei Projekten genau wissen, welche Kosten konkret anfallen. Im Vordergrund stehen dauerhaft tragfähige Gesamtlösungen für die Betroffenen. Gelder in unbestimmter Höhe für Einzellösungen in einem baulich problematischen Umfeld zuzusagen, wäre nicht seriös.“
Lesehinweis:
08.07.2023: Zugang über alte Steintreppe - kommt der Lift?

