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„Stark und zielstrebig sein und sich nicht ducken“
16.05.2025 / 10:06 Uhr — Info Dormago / duz
Auch wenn die Schüler der Realschule Hackenbroich Rita Süssmuth nicht aus ihrer aktiven Zeit als Bundestagspräsidentin kennen, so reicht eine Suchanfrage bei Google, um zu erahnen, welche Persönlichkeit sich an der Schule angekündigt hatte. Umso aufregender war es für die Zehntklässler, Prof. Dr. Rita Süssmuth nun tatsächlich treffen zu können. Sie war der Einladung von Schulleiter Jörg Hustede gefolgt, in einer lockeren Gesprächsrunde, an der auch Schülersprecherin Luisa Terracina teilnahm, über Gleichberechtigung, Demokratie und Toleranz zu sprechen. Die Moderation durfte Anissa Saysay übernehmen, Vorsitzende der CDU in Dormagen.Süssmuth beantwortete geduldig die Fragen der Schüler und blickte dabei zurück auf ihre Kindheit in einem Nachkriegsdeutschland, das sie als sehr befreiend in Erinnerung hat - frei von Bomben und Sirenen, die sie Jahre zuvor um den Schlaf gebracht hatten. Die 88-Jährige berichtete von einer hoffnungsvollen Stimmung des Aufbaus, dass jeder mit anpacken wollte, um aus den Trümmern etwas Neues zu schaffen. Sie habe schon damals gelernt, dass jeder jemanden brauche und dass niemand alles alleine könne.
Ein besonderes Herzensthema griff Rita Süssmuth im Gespräch mit den Schülern immer wieder auf: die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Sie riet den Mädchen, stark und zielstrebig zu sein und sich nicht zu ducken. Sie selbst sei damals vor der Überpräsenz eines Helmut Kohls zusammengezuckt, habe dann aber ihre Angst abbauen können und ihm die Stirn geboten. Den Jungs empfahl sie, sensibel zu sein, Gefühle zu zeigen und Tränen zuzulassen. Dass das wichtig sei, musste sie selbst erst lernen. Sie sei aufgewachsen mit dem Irrglauben, Männer müssen starke Krieger sein. Auch Schülersprecherin Luisa Terracina betonte, wie wichtig die weibliche Perspektive sei. Sie fühle sich an ihrer Schule absolut gleichberechtigt.
Ob sie etwas bereue? Darüber habe sie noch nicht nachgedacht, sagte Rita Süßmuth schmunzelnd. Wohl aber, was sie der jungen Generation noch alles mit auf den Weg geben wolle: Sich selbst nicht so ernst nehmen, nicht leise sein, Widerstände überwinden und am Ball bleiben.

