DORMAGO-Archiv

Suchergebnis

Parken in der City - zum Verkehrsrowdy abgestempelt

05.06.2024 / 10:24 Uhr — Chris Stoffels

Foto: Dormago So ganz ohne Autos sieht man diesen Bereich neben dem Rathaus selten
So ganz ohne Autos sieht man diesen Bereich neben dem Rathaus selten
Der Paul-Wierich-Platz rund um das Dormagener Rathaus ist verkehrsberuhigt. Das ist unbestritten, auch wenn dort permanent gefahren und geparkt wird und der Parkplatz einer Pizzeria nur über den Platz erreichbar ist. Doch was ist, wenn dort plötzlich im Abstand von 30 Metern zwei Halteverbotsschilder stehen, mit zwei Pfeilen, einer nach links, der andere nach rechts? „Also kann ich dazwischen halten“, ist der Bürger sicher. Aber: Denken ist offensichtlich ein Fehler im Straßenverkehr. Schilder, die dort stehen, haben nichts zu bedeuten, meint ein Richter am Amtsgericht Neuss. Was dann? Es bleibt beim Bußgeldbescheid.

Auf dem Weg in die Lücke stoppen zwei Mitarbeiterinnen des städtischen Ordnungsamtes bei anderer Gelegenheit den Bürger in seinem Auto und weisen ihn darauf hin, dass er dort nicht halten dürfe. Der Bürger folgt den Uniformierten, lässt sich belehren, schließt die Autotüre ohne auszusteigen und fährt ins nächste Parkhaus. Da er aber angehalten habe, sei ein weiteres Bußgeld fällig, allerdings mit einem geringen Nachlass, urteilt ein anderer Richter in der Kreisstadt. Und hält dem Bürger vor, im Jahre 2022 einige „Knöllchen“ angesammelt zu haben. Der Bürger hat sie anstandslos bezahlt und dann mit der Stadt eine vernünftige Lösung für das Parken des massiv Schwerbehinderten gefunden.

Trotzdem flossen diese längst erledigten Fälle in die Bewertung des Richters ein. Der Schwerbehinderte wurde so im Handumdrehen zum Verkehrsrowdy abgestempelt. Und steht mit einem Haufen Kosten da – nur weil er es gewagt hatte, im Verkehr nachzudenken. Die Stadt und die Richter werten das Halte- und Fahrverbot auf dem Paul-Wierich-Platz als absolut und unumstößlich.

Nur für einen gilt das offensichtlich nicht: Ein Opel mit MG-Kennzeichen steht seit Monaten dort, wo sich früher die (Park)Lücke zwischen den beiden Schildern geöffnet hatte. Auf dem Armaturenbrett zwei Hinweise. Auf einem steht „Semper Fidelis“, der Leitspruch der American Marines und der Name der Firma, die für die Überwachungskräfte der Stadt zuständig ist. Der zweite: eine Park-Sondergenehmigung, allerdings ausdrücklich für den Parkplatz „Unter den Hecken“. Und der Platz ist ganz woanders.

Aber es ist rund ums Rathaus in Dormagen so wie schon immer und überall: Quod licet iovi non licet bovi (Was Jupiter erlaubt ist, das ist dem Ochsen noch lange nicht erlaubt / Was der eine darf, darf der andere noch lange nicht).

Auf FB Teilen E-Mail Drucker Zurück