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TORK-Show: Tolle Gäste und viel Mutmach-Potential

30.04.2023 / 13:28 Uhr — Dormago - bs

Foto: Heinz J. Zaunbrecher Birgit Wilms, Patrik Wenke, Anja Eschweiler, Wolfgang Kempf, Heinz Hilgers und Detlev Zenk sorgten für einen spannenden und unterhaltsamen Talk-Abend, Kena's Room begleitete ihn musikalisch
Birgit Wilms, Patrik Wenke, Anja Eschweiler, Wolfgang Kempf, Heinz Hilgers und Detlev Zenk sorgten für einen spannenden und unterhaltsamen Talk-Abend, Kena's Room begleitete ihn musikalisch Patrik Wenke und Anja Eschweiler
Patrik Wenke und Anja Eschweiler Wolfgang Kempf und Heinz Hilgers
Wolfgang Kempf und Heinz Hilgers Kena's Room
Kena's Room
Eine Überraschung gab es am Freitagabend bei der schon lange im Vorfeld ausverkauften Tork-Show: Zum ersten Mal seit Bestehen des Formats war nicht Wolfgang Link, sondern Birgit Wilms als Co-Moderation von Detlev Zenk in der Kulle. Link musste wegen eines wichtigen Produktionstermins kurzfristig absagen, die Journalistin sprang ein und war zwar eine andere, aber ebenso eloquente Gesprächspartnerin für die vier Gäste, die auf der Bühne Platz nahmen.

Zenk und Wilms begrüßten zunächst den Straberger Dr. Wolfgang Kempf, mehrfacher Welt- und Europameister im Rollstuhlfechten und 1992 Goldmedaillengewinner bei den Paralympics in Barcelona. Das Publikum lernte in der folgenden halben Stunde einen durch und durch positiven, humorvollen und sehr unterhaltsamen Menschen kennen. Kempf ist seit einem Skiunfall im Jahr 1984 „inkomplett“ querschnittsgelähmt, vorher betrieb er das Fechten als Leistungssport. Sein erster Gedanke nach dem Unfall: „Wie soll ich jetzt fechten?“ Trotz aller schlechten Prognosen ist er nach dem Unfall nie „in ein Loch gefallen“ und hat es geschafft, seine Beine auch wieder nutzen zu können. Beim Rollstuhlfechten konnte er seine sportlichen Fähigkeiten weiter ausleben. Aufgrund seiner Fechtausbildung und seiner Erfahrungen war er in den folgenden Jahren „im Rollstuhl dann eigentlich von Anfang an die Nummer eins in der Weltspitze.“ Inzwischen hat er mit dem Fechten aufgehört, jetzt hält er sich beim Fahren auf seinem Spezial-Fahrrad – seit 2015 mit E-Antrieb – auch mit großen Touren über die Grenzen hinweg fit und leistungsfähig. So legte er auch schon 200 Kilometer an einem Tag zurück.

Ebenso gut gelaunt und anregend präsentierte sich Anja Eschweiler aus Nievenheim. Sie leitet mit großer Leidenschaft das Kinder- und Jugendhospiz Regenbogenland in Düsseldorf. Im Jahr 2010 kam sie als PR-Mitarbeiterin eines Automobilherstellers aufgrund einer Spendenanfrage des Regenbogenlandes zum ersten Mal mit der Einrichtung in Kontakt und unterstützte sie in den folgenden Jahren ehrenamtlich bei Öffentlichkeitsarbeit und beim Fundraising. 2021 gab sie dann ihren lukrativen Job auf, um ihre Qualifikation und ihre Fähigkeiten als Geschäftsführerin des Hospizes einzusetzen. Die Einrichtung betreut junge Menschen und ihre Angehörigen, die mit einer lebensverkürzenden Krankheit konfrontiert werden. Das Hospiz-Team hat es sich zur Aufgabe gemacht, „nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben zu geben“ und für ihre Gäste und deren Umfeld mehr Miteinander-Momente zu schaffen. Dafür steht z. B. ein Trauerbegleitteam für Angehörige und ein Familienteam für die Geschwister zur Verfügung. Finanziert werden solche Angebote, die über die Fachpflege hinausgehen, über Spenden. Eschweiler zeigte in dem Gespräch auf, dass Sterben und Tod nicht in die Tabuzone gehören und Teil des Lebens sind. Und sie rät dem sozialen Umfeld, sich in solchen Situationen nicht aus Hilflosigkeit zurückzuziehen, sondern die verbleibende Zeit für die betroffenen jungen Menschen und ihrer Familien so besonders wie möglich zu gestalten.

Auch bei Dormagens Ehrenbürger Heinz Hilgers haben die Interessen der Kinder immer sehr hohe Priorität – wenn auch in anderer Form als bei Anja Eschweiler. Der Name des Delhoveners ist untrennbar mit dem Präventionsprojekt „Dormagener Modell“ verbunden. Als Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes kämpft er zudem seit 30 Jahren für die Rechte von Kindern und Jugendlichen. Sein zentrales Thema ist die Verhinderung von Gewalt gegen Kinder in jeder Form. Prävention heißt sein Mantra, denn in dem Moment, wo Polizei und Justiz eingreifen, sei dem Kind bereits Gewalt angetan worden. Während seiner Präsidentschaft wurde im Jahr 2000 das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung ins Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen, seitdem sind körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen gegen Kinder verboten. Enttäuscht ist Hilgers, der in diesem Jahr 75 Jahre wird und sein Amt an eine Nachfolgerin weitergeben wird, bei den Fortschritten zum Thema Kindergrundsicherung. Die auch von Teilen der FDP geäußerte Meinung, dass vor allem arme Menschen ihre Kinder vernachlässigen würden und Geld, das für die Kindergrundsicherung bestimmt sei, womöglich für Alkohol, Zigaretten und Freizeitvergnügen ausgeben würden, erbost ihn zutiefst. Gemeinsam mit dem von ihm 2009 initiierten „Bündnis Kindergrundsicherung“ würde der Kampf aber weitergehen: „Wir werden niemals etwas akzeptieren, wo Kindergrundsicherung draufsteht, aber nicht drin ist.“ Am Ende des Gesprächs ließ Hilgers sich dann noch das eine oder andere Anekdötchen aus seiner Zeit als Bürgermeister und Politiker entlocken.

Zum Schluss ließ sich Happyologe Patrik Wenke auf der Bühnencouch nieder, der sich intensiv mit der Frage „Was ist Glück?“ beschäftigt. Der Zonser erlitt 2015 mit 45 Jahren einen Schlaganfall und kämpfte sich in sein Leben zurück. Sein wichtigstes Fazit aus dieser Zeit lautet: „Man hat für Bullshit keine Zeit.“ Während der Pandemie begann der „geborene Optimist“, sich intensiv mit dem Thema Glück zu beschäftigen. Tagelang philosophierte er mit dem damals 89-jährigen Glücksforscher Dr. Alfred Bellebaum über das Thema, erfuhr von Joey Kelly beim Laufen, dass für diesen „mehr geben als nehmen“ zum Glücklichsein gehört und lernte in einem Shaolin-Kloster, das wahres und dauerhaftes Glück von innen kommt. „Glück ist ganz individuell“, ist eine seiner Kernaussagen. Der Kommunikationstrainer rät jedem, auch schlechte Situationen als Chance anzunehmen und mit viel Optimismus und Spaß am Leben das Beste daraus zu machen. Für ihn ist Glück „das Sammeln von Glücksmomenten“. Und er empfiehlt auch, schöne Augenblicke in Fotos festzuhalten und sich immer wieder anzuschauen, weil nachgewiesenermaßen das Anschauen der Bilder die Glücksgefühle des Moments wieder aufleben lassen. Damit das einfacher ist, hat er die App „Glück to Go“ entwickelt und bietet sie kostenlos in den entsprechenden App-Stores an. Außerdem rät der Buchautor jedem, ab und an ein „Rendezvous mit sich selbst“ zu veranstalten, um sich ohne Handy und ohne Unruhe nur mit sich selbst zu befassen. Denn nur die Erkenntnis, „wenn dich etwas glücklich macht, dann mach es – und wenn dich etwas nicht glücklich macht, kann es weg“ führt zum Ziel.

Den musikalischen Rahmen des Abends bildete einmal mehr „Kena’s Room“. Diesmal hatte die Gruppe brasilianische Originalsongs im Repertoire, die von Sängerin Kena Haas in portugiesischer Sprache vorgetragen wurden.

Die nächste Tork-Show findet am 17. November statt. Schlechte Nachrichten für alle, die noch keine Karten haben: Knapp 15 Stunden nach Start des Vorverkaufs am gestrigen Samstag hieß es bereits: Ausverkauft!

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