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Als Präsident würde Olaf Schubert die Malediven besetzen
10.07.2022 / 15:46 Uhr — Dormago / duz
„Wir sind froh, dass sich hier so viele eingefunden und wir die Freilichtbühne gefunden“, reimte Olaf Schubert zu Beginn seines Auftritts nicht ohne Grund. Der Blick auf den Navi hatte ihn und seine Kollegen Jochen M. Barkas und Bert Stephan („Herr Stephan“) irgendwo aufs Feld geführt. So erreichte das Trio die Spielstätte erst mit leichter Verspätung - was freilich keine Auswirkungen auf den vorletzten Abend des 2. Zonser Kabarett- und Comedy-Festivals hatte. Der sächsische Comedian im karierten Traditionspullunder sorgte für viele intensive und unterdrückte Lacher. Michael Haubold, wie er im richtigen Leben heißt, hatte die rote Lampe auf der Bühne platziert, die er immer wieder mal aufleuchten ließ, um damit das Publikum zum besonderen Beifall zu motivieren.Schubert präsentiert zwar das Programm „Zeit für Rebellen“, doch ein klassischer Aufständischer ist er nicht. Der 54-Jährige ist der Auffassung, dass ein Paketbote mit 1000 Euro im Monat gut auskommen könnte - okay, nicht in Deutschland, aber in der Mongolei, er kann ja pendeln... Und überhaupt: „Der Bote hätte studieren können, dann könnte er heute Taxi fahren.“ Ob es eine gerechtere Gesellschaftsform als den Kapitalismus gibt, wagte Schubert zu bezweifeln. Die Sklavenhalterzeit war ja auch nur angenehm, wenn man einen guten Sklaven hatte, „einer, der die Arbeit sieht...“ Die Erinnerung an den Sozialismus: Eine Frau bekam ein Kind auf der Arbeit, das wurde dann herumgereicht, es war ja Volkseigentum. Es ging dann in die Kita und nach der Armee mit 18 hast du es zurückgekriegt. Und dann gingen die Probleme los.“
Olaf Schubert, dem gerade wieder ein wichtiges Deckhaar weggebrochen war, weiß: „Wenn ich einer Frau auf den Po klatsche, dann ist das geil. Die Frau spürt, dass ich das nicht sexistisch meine sondern orthopädisch. Es ist eine Huldigung des Bindegewebes.“ Die Diskussion über so manch vermeintlich falsch oder richtige Begriffe kann er nicht nachvollziehen. Heißt es Moslems oder Muslime? „Man sagt doch auch Christen und nicht Christine.“ Impfleugner sind natürlich geimpft, leugnen das aber ab. Transgeimpfte sind ungeimpft, fühlen sich aber geimpft...“
Auf seiner großen Tournee Dresden, Zons und zurück wird er in der alten Zollfeste von einem Flugzeug irritiert: „Wenn wir Open Air spielen, wird eigentlich immer der Luftraum gesperrt.“ Nachvollziehen kann Schubert, dass man „als Präsident irgendetwas besetzen muss. Würde ich ja auch, die Malediven zum Beispiel...“ Angesichts fehlender Lehrer gibt es jetzt Seiteneinsteiger in Sachsen: „Die müssen mindestens 50 Prozent der Buchstaben kennen.“ Extra für die Zugabe hat Olaf Schubert sich umgezogen: „Ich habe einen neuen Schlüpfer angezogen, sieht jeder sofort.“ Und es gibt noch mal ein Liedchen mit Herrn Stephan - der an diesem Abend gelegentlich Posaune, Bass und Mundharmonika spielt und der bei seinen Ansagen an den jüngst verstorbenen Böhmermann-Ankündiger William Cohn erinnert - und dem eigentlichen Held des Abends: Gitarrist Jochen Barkas sitzt zwei Stunden auf der Bühne, um sich vom gebürtigen Plauener Schubert ständig niedermachen zu lassen. Sein Motto drückt ein wenig aus, warum Barkas das ertragen kann: „Das Leben ist wie ein Zug, die Tage sind Bahnhöfe, auf denen wir ankommen nur um weiterzureisen.“

