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Covestro: Paukenschläge zur Eröffnung
17.06.2016 / 23:43 Uhr — Dormago
Foto: duz (3), Covestro

Prof. Ernst Schmachtenberg, Covestro-Vorstand Patrick Thomas und der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel hauten auf die Pauke
Die Gäste verfolgten auf der Großleinwand das Anfahren der Anlage
Die Gruppe Scharlatan begleitete die Eröffnung mit originellen Beiträgen
In dieser Produktionsanlage in Dormagen baut Covestro jetzt 20 Prozent CO2 in eine wichtige Schaumstoff-Komponente ein
Dormagen. Mit einer originellen Veranstaltung eröffnete heute Covestro in einem eigens aufgebauten Zelt vor Tor 1 die Anlage zur Produktion einer neuartigen Schaumstoff-Komponente mit 20 Prozent CO2-Anteil. Das Hamburger Musiktheater Scharlatan leistete als CO2-Trio, das im Verlaufe ihres Auftritts zum Quartett Magic Reaction wuchs, einen eindrucksvollen Beitrag zur Erklärung des komplexen Sachverhalts. Patrick Thomas, Vorstandsvorsitzender der Covestro AG, Professor Dr. Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen University, und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung Thomas Rachel hauten schließlich zum symbolischen Start auf die Pauke - während die Riesenleinwand den Mitarbeiter zeigte, der die Anlage anfuhr. 
Prof. Ernst Schmachtenberg, Covestro-Vorstand Patrick Thomas und der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel hauten auf die Pauke

Die Gäste verfolgten auf der Großleinwand das Anfahren der Anlage

Die Gruppe Scharlatan begleitete die Eröffnung mit originellen Beiträgen

In dieser Produktionsanlage in Dormagen baut Covestro jetzt 20 Prozent CO2 in eine wichtige Schaumstoff-Komponente ein
"Was die Schauspieler uns nahebringen, ist ein Traum, den Chemiker seit vielen Jahren geträumt haben", sagte Thomas. 1969 habe zum ersten Mal ein Wissenschaftler aus Japan den Traum beschrieben, nämlich das im CO2 enthaltene Element Kohlenstoff zu nutzen, um Kunststoffe herzustellen. Thomas: "Auf diese Weise lassen sich fossile Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas einsparen, aus denen die Industrie üblicherweise den nötigen Kohlenstoff bezieht. Eine großartige Perspektive also zur Verbreiterung der Rohstoffbasis und zur Ressourcenschonung." Nach mehr als vier Jahrzehnten werde die Perspektive Wirklichkeit - dank eines Verfahrens, das "wir bei Covestro zusammen mit Experten des CAT Catalytic Center in Aachen entwickelt haben." Covestro und die gemeinsam mit der RWTH betriebene Forschungseinrichtung haben den passenden Katalysator gefunden, der die chemische Reaktion mit CO2 erst möglich macht.
"Die Forschung ist ein wesentlicher Treiber der Innovation", betonte Prof Schmachtenberg und freute sich darüber, dass die Aachener Uni Teil des Projekts sei. Er höre die Kritik, das Verfahren sei zu aufwändig, zu teuer und stehe nicht im Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen. Dies aber gehe an den Notwendigkeiten vorbei: "Wir stehen doch erst am Anfang einer bedeutenden Aufgabe. Das ist heute eine Zwischenstation und wir müssen weitermachen - sonst wird es schwierig für die Säugetiere, zu denen wir ja auch gehören." Thomas Rachel überbrachte beste Grüße der Bundesregierung und sah mit der Investition in die "bundesweit erste und weltweit größte Anlage" ein Bekenntnis für den Standort Deutschland - was in Zeiten der Globalisierung keineswegs selbstverständlich sei. Mit der Förderung in Höhe von 7,5 Millionen Euro habe man einen richtigen Schwerpunkt gesetzt - wohl wissend, dass es sich bei der stofflichen Nutzung von Kohlendioxid erst um einen Schritt auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft handele.
Mit dem Kohlenstoff aus CO2 stellt Covestro in Dormagen jetzt eine neue Form so genannter Polyole her. Das sind zentrale Bausteine für Polyurethan-Schaumstoff – ein vielseitiges Material, das weltweit in zahlreichen Industrien und Alltagsbereichen verwendet wird. Das Kohlendioxid wird chemisch fest in das Material eingebunden. Die neue Anlage, in die das Unternehmen rund 15 Millionen Euro investiert hat, besitzt eine Produktionskapazität von 5000 Tonnen pro Jahr. Das verwendete CO2 fällt bei einem benachbarten Chemieunternehmen als Abfallprodukt an. Das neue Polyol auf CO2-Basis ist zunächst für Polyurethan-Weichschaum und den Einsatz in Matratzen und Polstermöbeln konzipiert. Von der Qualität ist der Schaumstoff mindestens ebenso gut wie konventionelles Material, das komplett aus petrochemischen Rohstoffen und damit letzten Endes Erdöl hergestellt wird. Durch den Wegfall des Öls und der Energie, die eigentlich zu dessen Aufbereitung benutzt wird, sei das Verfahren zudem umweltverträglicher als herkömmliche Produktionsprozesse. Dank des Katalysators und des Energiereichtums der verbleibenden Menge an petrochemischem Rohstoff müsse außerdem keine zusätzliche Energie von außen zugeführt werden, um das träge CO2 zur Reaktion zu bringen.
Falls die neuen CO2-basierten Produkte den erhofften Anklang finden, kann sich Covestro vorstellen, die Produktion deutlich auszuweiten. Das Unternehmen arbeitet insgesamt daran, nicht nur Weichschaum sondern möglichst noch viele andere Kunststoffe mit Hilfe von Kohlendioxid herzustellen.
