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Befragung ohne große Überraschungen
02.02.2016 / 1:37 Uhr — Dormago
Foto: Dormago

Stellten die Ergebnisse der Befragung vor, von links: Erik Lierenfeld, Jörg Lennardt und Gabriele Böse
Man könnte meinen, die Zahl passt zur Karnevalszeit: 111 von 478 angeschriebenen Betrieben beteiligten sich an der Unternehmensbefragung, die das Dortmunder Beratungsbüro ExperConsult im Auftrag des Stadtrates vorgenommen hat. "Die Rücklaufquote von fast einem Viertel ist gut", erklärt Geschäftsführer Jörg Lennardt bei der Vorstellung des Zwischenberichtes. Und erhält Zustimmung von Rüdiger Westerheide, der für die CDU dem eingesetzten Politikbeirat angehört. "An den Wünschen der Firmen wird sich die geplante Neuorganisation unserer Wirtschaftsförderung und des Stadtmarketings orientieren", kündigte Bürgermeister Erik Lierenfeld an. Als Grundlage für die bevorstehenden Entscheidungen legte das Beratungsbüro auch eine Analyse des Wirtschaftsstandortes vor.
Stellten die Ergebnisse der Befragung vor, von links: Erik Lierenfeld, Jörg Lennardt und Gabriele Böse
Positiv äußerten sich die Firmen zur allgemeinen Einschätzung des Wirtschaftsstandortes. 84 Prozent fühlen sich in Dormagen wohl, eine Mehrheit hält den Standort für wettbewerbsfähig. Als größte Stärke kristallisierte sich die zentrale Lage zwischen den Großstädten Köln und Düsseldorf "mit guten Verkehrsanbindungen" heraus. Eine Schwäche: 18 Prozent der Unternehmen sehen ein eher schlechtes und langweiliges Image der Stadt, kaum weniger halten die Innenstadt für unattraktiv. Lennardt: "Eine solche Kritik ist anteilmäßig nicht erschreckend, muss aber ernst genommen werden."
97 Prozent aller Teilnehmer würden Dormagen weiterempfehlen - 47 Prozent ohne jeden Vorbehalt, 50 Prozent mit Einschränkungen. Die Internet-Versorgung und die Höhe der Gewerbesteuer seien hier wichtige Aspekte, macht Lennardt deutlich. "In Sachen Internet haben wir mit dem Ausbau der Breitband-Verbindungen durch evd und Netcologne bereits reagiert", erklärt Lierenfeld. Eine mögliche Senkung der Gewerbesteuer hatte er gerade erst beim Neujahrsempfang ins Gespräch gebracht. Immerhin 48 Prozent der Betriebe schätzen ihre Geschäftslage als gut ein, 42 Prozent als befriedigend. Mehr als ein Drittel denkt über eine Ausweitung nach, fast die Hälfte plant neues Personal einzustellen. 71 Prozent der Betriebe halten die Verwaltung für wirtschaftsfreundlich. Auch die Wirtschaftsförderung wird als "kompetent und zuverlässig" angesehen. Gerade mal 15 Prozent sprechen sich für eine noch flexiblere und offenere Unternehmensbetreuung aus. Und nur zehn Prozent wünschen die Kontaktaufnahme durch die Wirtschaftsförderung. Diese Zahl müsse keineswegs irritieren, stellte Lennardt fest. Sie sei der Beweis für ein funktionierendes Netzwerk in Dormagen: "Man kann den Bürgermeister oder Gabriele Böse von der Wirtschaftsförderung direkt bei Veranstaltungen ansprechen."
Bei der Analyse des Wirtschaftsstandortes hat "ExperConsult" ein Ranking zwischen Dormagen und den strukturell vergleichbaren Städten Ratingen, Grevenbroich, Hürth und Unna erstellt. Als Dormagener Stärken ergaben sich unter anderem "das gute Betreuungsangebot für Kinder und Jugendliche, eine hohe Bautätigkeit, rückläufige Arbeitslosenzahlen und die mit Abstand höchste Exportquote." Im touristischen Bereich verzeichne die Stadt wachsende Übernachtungszahlen und eine längere Verweildauer der Gäste. Die Pro-Kopf-Verschuldung der Bürger ist hier am Niedrigsten. Zu den Schwächen zählten deutlich geringere Gewerbesteuereinnahmen als in den anderen Städten, sagte Jörg Lennardt, relativierte aber die Zahlen: "Wir haben die Ergebnisse bis 2014 berücksichtigt und ich sehe das Lächeln beim Bürgermeister. Schließlich sieht es ja 2015 und auch aktuell deutlich besser aus."
Auf der Basis der Unternehmensbefragung und der Standortanalyse wird ExperConsult nun ein Handlungskonzept entwickeln. Daraus wiederum leiten sich künftige Schwerpunkte der Wirtschaftsförderung und des Stadtmarketings ab. Gemeinsam mit dem Beratungsbüro und dem Politikbeirat will die Stadtverwaltung zur Sitzung des Hauptausschusses am 14. Juni einen Organisationsvorschlag vorlegen. Lennardt: "Es wird Alternativen geben." Auch da werden die Überraschungen sich freilich in Grenzen halten. Letztlich geht es darum, ob die Arbeitsfelder in der Verwaltung angesiedelt sind oder eine GmbH gegründet werden soll. "Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass wir in Dormagen schon gut aufgestellt sind", meint der Bürgermeister. "Aber wir wollen noch besser werden. Dass Handlungsbedarf beim Stadtmarketing allgemein und beim City-Marketing besteht, war uns bewusst. Dies ist ein wichtiger Grund für die angestrebte Neuorganisation."
