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Restaurierte Kapelle ein Gemeinschaftswerk der Heimatfreunde

14.07.2026 / 11:07 Uhr — Dormago / duz

Foto: Dieter Meissner / Dormago / duz Befreit vom nahen Bewuchs und bestens restauriert - da freuten sich die Gäste bei der Wiedereinweihung der Kapelle an der Heerstraße
Befreit vom nahen Bewuchs und bestens restauriert - da freuten sich die Gäste bei der Wiedereinweihung der Kapelle an der Heerstraße
Wilhelm Geisler erinnert sich noch gut an das Kapellchen an der Heerstraße in Nievenheim. Schließlich hatte der Sohn der Stifterin Eva Geisler die Eingangstür der Kapelle während seiner Lehrzeit als Schmied bei der Bundesbahn in Köln vor über 70 Jahren selbst angefertigt. Der inzwischen 91-Jährige ließ es sich nicht nehmen und kam jetzt mit seiner Frau Marita aus Düsseldorf zur erneuten Einweihung nach der Restaurierung an den Ort, wo er aufgewachsen ist. Aus dem Handwerker ist ein Wissenschaftler geworden, der nicht nur die Reifeprüfung nachholte, sondern später auch in Bonn promovierte und in Dortmund den Professorentitel (Didaktik der englischen Sprache) erwarb.

Auch darüber wurde bei der Wiedereinweihung der Kapelle geredet. Und über die schweren Zeiten nach dem Krieg, als Josef Kardinal Frings in der Silvesternacht 1946 in St. Engelbert in Köln-Riehl Worte sprach, die heute noch zitiert werden: Zum 7. Gebot (Du sollst nicht stehlen) sagte er zum Entsetzen der britischen Besatzungsmacht: „Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder Bitten, nicht erlangen kann.“ Der Überlieferung nach nahmen die Kohlendiebstähle Anfang 1947 deutlich zu. Schnell kam vor allem für „Kohlenklau“ das Wort „fringsen“ auf - das anschließend ins „Lexikon der Umgangssprache“ aufgenommen wurde.

Eva Geisler versorgte im Sinn dieser Worte ihre Hausgemeinschaft. Doch die Beschaffung von Lebensmitteln auf einem nicht gesetzeskonformen Weg brachte ihr Schwierigkeiten mit den Behörden und der Justiz ein, die mit „fringsen“ nur bedingt etwas anfangen konnten. Ihre Gebete hatten letztlich Erfolg, „dank Mariens Hilfe blieb ihr größeres Unheil erspart“, ist auf dem Informationsschild neben der Kapelle zu lesen. Die Unterstützung aus der Bevölkerung sorgte quasi für finanziellen Schadenersatz. Für den Fall des glimpflichen Ausgangs der Auseinandersetzung hatte Eva Geisler die Stiftung der Kapelle versprochen, die 1953 erstmals durch den damaligen Nievenheimer Pfarrer Josef Bootz eingesegnet wurde.

Im Laufe der Jahre versteckte die Kapelle sich immer mehr unter den Bäumen, die Kümmerer wurden weniger. „Die Kapelle ist einfach in dem Urwald nicht mehr aufgefallen“, stellte Manfred Fiedler, der Vorsitzende der Heimatfreunde Nievenheim-Ückerath, fest. Den Anstoß zur Restaurierung gab Robert Koch, der im April 2025 den Heimatfreunden beitrat. Der Verein griff die Idee auf und setzte sie gemeinsam mit zahlreichen Helferinnen und Helfern in die Tat um. Es wurden zunächst Bäume und Sträucher entfernt, anschließend die Kapelle gründlich gereinigt, das Dach saniert und die Außenanlage neugestaltet. Die Firmen Hartmann, Fiedler, Esser und Koop unterstützten das Projekt mit ihren Arbeiten unentgeltlich. Weitere Tätigkeiten wie Maler- und Pflasterarbeiten, die Restaurierung der Marienfigur sowie die Bepflanzung übernahmen die Mitglieder der Heimatfreunde in Eigenleistung. Nun ist die Kapelle wieder ein gemütlicher Ort samt Bank zum Verweilen und Gedenken für alle. Das Innere der Kapelle können Interessierte fortan durch eine Glastür bestaunen.

Der Dank der Heimatfreunde galt nicht zuletzt Familie Braun, die das Grundstück weiterhin für den Erhalt der Kapelle zur Verfügung stellt. „Mit der erfolgreichen Restaurierung ist es gelungen, ein Stück Ortsgeschichte zu bewahren. Dies ist Denkmalschutz im wortwörtlichen Sinne“, betonte Bürgermeister Erik Lierenfeld. „Es ist auch ein Ort für Menschen, die eine Zukunft suchen - im Sinne von Heimat finden“, sagte Pastor Klaus Koltermann bei der Einsegnung.

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