DORMAGO-Archiv
Suchergebnis
BvA-Projekt „Spurensuche“ verbindet Geschichte und Gegenwart
07.07.2026 / 7:45 Uhr — Info / Dormago - bs
Mit den Verbrechen des Nationalsozialismus, der Shoah und aktuellen Formen von Antisemitismus und Rechtsextremismus haben sich 15 Oberstufenschülerinnen und -schüler des Bettina-von-Arnim-Gymnasiums im Rahmen des neuen Projektkurses „Spurensuche“ beschäftigt. Der erstmals angebotene Kurs, der auch eine Gedenkstättenfahrt einschloss, gilt als Pilotprojekt für eine dauerhafte Verankerung im Schulprogramm.Im Mittelpunkt stand die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, der Shoah und den Folgen der nationalsozialistischen Verbrechen. Gleichzeitig richtete der Kurs den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, insbesondere auf zunehmende antisemitische und rechtsextreme Tendenzen.
Die Jugendlichen gingen dabei sowohl familiären als auch lokalen Spuren der Vergangenheit nach. Bei Gesprächen mit Angehörigen zeigte sich, dass Erinnerungen an die Kriegszeit in vielen Familien nur noch lückenhaft vorhanden sind. Häufig schwiegen die Generationen der Urgroßeltern über ihre Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs.
Parallel dazu arbeiteten die Jugendlichen in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf zu den Lebensgeschichten jüdischer Familien. Thematisiert wurden unter anderem Deportationen von Düsseldorf aus sowie Erinnerungsorte wie der ehemalige Große Schlachthof. Auch die Schicksale jüdischer Familien aus Dormagen standen im Fokus. An sie erinnern heute 39 Stolpersteine im Stadtgebiet. Viele der Betroffenen wurden über verschiedene Lager in Osteuropa in die Konzentrations- und Vernichtungslager Stutthof und Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.
Zur praktischen Erinnerungsarbeit gehörten die Reinigung der Dormagener Stolpersteine sowie die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung für die Opfer der Novemberpogrome auf dem jüdischen Friedhof in Zons.
Die Vorbereitung auf die anschließende Gedenkstättenfahrt nach Polen erfolgte in mehreren Schritten. Die Jugendlichen analysierten literarische Texte wie „Bei uns in Auschwitz“ von Tadeusz Borowski, beschäftigten sich mit Filmen wie „Schindlers Liste“ und werteten Zeitzeugenberichte aus. Darüber hinaus recherchierten sie in Kleingruppen zu historischen Erinnerungsorten in Krakau und präsentierten ihre Ergebnisse dann vor Ort. Während des Aufenthalts in Krakau besuchte die Gruppe das ehemalige jüdische Viertel Kazimierz mit seinen Synagogen, den Folterkeller des früheren Gestapo-Hauptquartiers, die ehemalige Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler sowie das Gelände des früheren Arbeits- und Konzentrationslagers Płaszów. In der Schindler-Fabrik befindet sich heute ein Museum zur Geschichte Krakaus während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg.
Im Mittelpunkt der Gedenkstättenfahrt stand die Exkursion nach Oświęcim, dem ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Nach dem Besuch des Stammlagers Auschwitz I besichtigte die Gruppe das Lager Auschwitz II-Birkenau. Dort wurden während des Holocaust mehr als eine Million Menschen ermordet. Die weitläufigen Anlagen und die erhaltenen Relikte vermittelten den Jugendlichen einen unmittelbaren Eindruck von den Dimensionen der nationalsozialistischen Verbrechen.
Die Begegnung mit den historischen Orten hat das Verständnis für die Ereignisse der NS-Zeit vertieft und die Bedeutung der Erinnerungskultur verdeutlicht. Die Ergebnisse des Projekts sowie die Reflexionen der Schülerinnen und Schüler werden in einer Ausstellung präsentiert. Die Eröffnung findet am 16. Juli um 12.30 Uhr im Foyer des Bettina-von-Arnim-Gymnasiums statt.

