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Alte Musik Knechtsteden: „Man hört nur, was man weiß“

29.07.2022 / 16:58 Uhr — Nicola Oberlinger / duz

Foto: Greiner-Napp Capella de la Torre sind bei der Landpartie in Knechtsteden zu Gast
Capella de la Torre sind bei der Landpartie in Knechtsteden zu Gast
Verborgene Wirklichkeiten in der Musik hör- und sichtbar zu machen ist die große Mission, die sich als roter Faden durch 31 Jahre Festivalgeschichte in Knechtsteden zieht. Frei nach dem Motto „Man hört nur, was man weiß“ lädt Intendant Hermann Max das Publikum in neun Konzerten vom 17. bis 24. September zu einer bewusstseinserweiternden Reise ein. Nach der erfolgreichen Premiere von MOVIMENTO – Die musikalische Radtour am Rhein wird die Festivalwoche in diesem Jahr von gleich zwei kunstsinnigen Touren durch die Region am 11. und 25. September eingerahmt. Und es gibt Festival-Nachwuchs zu vermelden: Mit „Globe Baroque-Sommeroper im Globe Neuss“ am 24. August wurde ein neues Format in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Neuss ins Leben gerufen. Der Kartenvorverkauf startet jeweils am 1. August, online unter KölnTicket, telefonisch unter 0221 2801 sowie an allen angeschlossenen VVK-Stellen.

Die großen Fixpunkte im Hauptprogramm sind traditionell die gewichtigen Eigenproduktionen mit den Hausensembles Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert. Prachtvollen Chorklang zum frankophilen Eröffnungskonzert gibt es am 17. September mit Telemann (Grand Motet nach Psalm 71), Bach (Orchester-Suite C-Dur BWV 1066) und Lully (Miserere). Am Dienstag, 20. September, stehen italienische Einflüsse rund um Händel (Dixit Dominus), Alessandro Scarlatti (Messa di St. Cecilia) und Steffani (Stabat Mater) im Mittelpunkt. Beide Konzerte öffnen die Ohren dafür, wie eng sich Komponisten der Zeit trotz - oder vielleicht gerade wegen - der Typologie ihrer Regionalstile gegenseitig anregten.

Am 21. September nimmt Max sein Publikum im Vokalprogramm „Von Orlando di Lasso bis in die Gegenwart“ mit in die Hexenküche des Komponierens: In großem Bogen von Monteverdi über die Bach-Familie und Telemanns „Singgedicht im Frühling“ begegnen sich Gestern und Heute des Tonsatzes - letzteres in Uraufführungen von Auftragskompositionen von Thomas Blomenkamp, Eunyoung Jang, Claudio Huerta Honores, Oleg Krokhalev und Federico Perotti, die barocke Sujets aufgreifen und in der Musiksprache der Gegenwart vertonen. Das Abschlusskonzert mit der Rheinischen Kantorei am 24. September setzt eine bereits im letzten Jahr begonnene Spurensuche nach dem wechselnden Klangideal barocker Musik durch die Zeiten fort: Bei „Bach im 19. Jahrhundert“ treffen Hörerlebnisse der Zeit auf ihre Begeisterung für gegensatzreiche Abendprogramme, wenn die moderne Erstaufführung von Wilhelm Wilms‘ „Drie geestelyke Liederen“ für Bass und Orchester Bachs virtuosen Konzerten für ein bzw. zwei Cembali (Kiveli und Danae Dörken), Brahms-Motetten und Herzogenbergs „Psalm 116“ begegnet.

Verborgenen Wirklichkeiten ist das Festival auch in kammermusikalischen Eigenproduktionen auf der Spur. Ein Instrumentalkonzert am 18. September gibt tiefe Einblicke in das freundschaftliche Beziehungsgeflecht zwischen Johannes Brahms, Joseph Joachim sowie Clara und Robert Schumann, prominent besetzt mit Florian Donderer (Violine) und Tobias Koch (Klavier); Constanze Backes moderiert. Rund um den 300. Geburtstag von Bachs „Wohltemperiertem Clavier I“ strickt sich die dreiteilige Reihe „Bilderbuch Bach“. Nach einem gemeinsamen Werkstattgespräch im Kölner Zentrum für Alte Musik widmen sich die Tastenvirtuosen Tobias Koch, Menno van Delft und Michael Borgstede am 19. September der wohl berühmtesten Klavierschule aller Zeiten im Kreismuseum Zons. Ein weiteres Kapitel schlägt die spanische Cembalistin Amaya Fernández Pozuelo am 22. September auf. Anlässlich dieses Jubiläums ist eine neue digitale Produktion rund um die Geschichte des Tastenzyklus geplant, die ab September unter anderem über die FestivalApp verfügbar sein wird. Gäste der „Landpartie“ am 18. September und der „Gregorianischen Nacht“ am 23. September sind die Capella del la Torre und das estnische Vokalensemble Heinavankar.

Bereits vor Festivalbeginn startet mit „Globe Baroque - Sommeroper im Globe Neuss“ ein neues Format in Kooperation mit dem Kulturamt Neuss. Die Premierenproduktion am 24. August wird mit Alessandro Scarlattis Kurzoper „Il giardino d’amore“ gefeiert, hochkarätig besetzt mit dem Ensemble 1700 unter der Leitung von Dorothee Oberlinger.

Per Muskelkraft zum Hörgenuss: Nach der erfolgreichen MOVIMENTO-Premiere im vergangenen Jahr starten im September 2022 gleich zwei Routen. MOVIMENTO I - Die musikalische Radtour am Rhein verläuft am 11. September von Düsseldorf über Monheim nach Dormagen (Dormago berichtete). MOVIMENTO II - Die musikalische Radtour an der Erft findet am 25. September zwischen Grevenbroich und Neuss statt. Entlang von jeweils 28 Streckenkilometern präsentieren Kommunen und Kulturveranstalter auf Initiative des Festivals ein abwechslungsreiches Programm vorbei an Schlössern und Klöstern, Auen und Baggerseen mit Kurzkonzerten, Kleinkunst und Besichtigungen.
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Der Freundeskreis des Festivals hat noch die Möglichkeit, Karten zu vergünstigten Konditionen vorzureservieren. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen, sagen die Veranstalter. Das Hygienekonzept wird entsprechend den jeweils aktuellen Anforderungen ausgearbeitet, Sitzplatzkapazitäten gegebenenfalls kurzfristig angepasst. Eine Ausspielung der Konzerte über Streams sowie Radioübertragungen der Medienpartner Deutschlandfunk und WDR ist in Planung. Das Festival informiert fortlaufend über aktuelle Planungen über seine Website. Begleitet wird das Programm durch die FestivalApp mit Podcasts und digitale Programmhefte, die im Laufe des Sommers schon Appetit auf die Festivalkonzerte machen.
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