Wir verwenden für unsere Webseite DORMAGO.de Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung
Dormago: Internetportal für Dormagen

Nachricht

Petition zur Einschulung: „Noch ein Jahr Kind sein lassen“

17.10.2020 / 17:50 Uhr — Dormago

Foto: privat Kathrin Friedrich hofft darauf, dass die extrem jungen Einschulungskinder nicht länger im Regen stehen
Kathrin Friedrich hofft darauf, dass die extrem jungen Einschulungskinder nicht länger im Regen stehen
Dormagen. Kathrin Friedrich ist Mutter von zwei Jungs. Ihr ältester Sohn wurde am 20. September fünf Jahre alt und muss somit nächstes Jahr eingeschult werden. Laut geltender Rechtslage werden in Nordrhein-Westfalen alle Kinder, die bis zum 30. September ihr 6. Lebensjahr vollenden, zum 1. August des gleichen Jahres schulpflichtig. Im Oktober soll der Junge in der Schule angemeldet werden. „Wir beschäftigen uns schon lange mit dem Thema und ich finde die Situation in Deutschland wirklich verstörend. Diese Ländersache bringt leider nichts und ist heutzutage auch nicht mehr angemessen“, zeigt Kathrin Friedrich Unverständnis für die Regelungen: „Umziehen in Deutschland - bitte vorher genau prüfen wohin. Gleiches Abitur aber keine gleichen Bedingungen auf dem Weg dahin.“ Mit der Ist-Situation will sie sich nicht abfinden und hat eine Online Petition gestartet.

Friedrich: „Unser Sohn ist ein durchschnittlicher Junge, der allerdings unterdurchschnittlich klein ist. Er kann locker als 4-Jähriger durchgehen. Sport ist nicht sein Ding und Kunst auch nicht. Fahrrad fahren, Schwimmen - alles Dinge, die bei uns aktuell noch in weiter Ferne sind.“ Seit einem halben Jahr führt der Gang zur Psychologin und zur Ergotherapie. „Wir machen all dies, weil wir wissen, dass unser Kind so früh eingeschult werden soll und er in mancher Hinsicht einfach noch hinterher hinkt. Insgesamt gehen wir aber davon aus, dass er den Einschulungstest trotzdem schafft“, sagt die Initiatorin der öffentlichen Eingabe.

Gerade die Corona Isolation verschärft aus Sicht von Friedrich die Situation: „Wochenlang wurden keine Kinder und somit Vorbilder gesehen. Gerade unser Sohn braucht andere Kinder, denen er zum Beispiel beim Fahrradfahren zuschauen kann. Im Kindergarten gab es bis September auf dem Spielplatz keine Fahrzeuge, die Turnhalle ist immer noch zu. Der Regelbetrieb ist nur theoretisch vollkommen.“ All dies müsse nicht sein: „Ich habe das Gefühl, mein Kind verzweifelt fit für die Schule machen zu müssen - obwohl wir alle wissen, dass es das Beste wäre, ihn einfach noch ein Jahr Kind sein zu lassen.“

Kathrin Friedrich möchte anderen Eltern diese Erfahrung ersparen und hofft, dass „sich langfristig endlich wieder etwas ändern wird.“ Die Änderung des Stichtages ab dem Jahre 2008 war ihrer Meinung nach ein Fehler. Dies habe man in anderen Bundesländern mittlerweile erkannt und es wurde entsprechend gehandelt. Formell sei zwar seit 2017 eine Rückstellung einfacher geworden. Dies bedeute aber nicht, dass das Thema für die Eltern in der Praxis auch tatsächlich einfacher geworden ist, moniert Friedrich. „Das ist definitiv nicht so. Solange kein Umdenken bei den zuständigen Stellen stattfindet, wird die Frage der Rückstellung oftmals gar nicht ernsthaft diskutiert.“

Die Forderungen von Kathrin Friedrich
- Aus den MUSS-Kindern (geboren im Juli, August und September) KANN-Kinder machen
- Umsetzung der Änderung beginnend mit dem Schuljahr 2021/2022, insbesondere damit die von CORONA-betroffenen Familien frei entscheiden können
- Schrittweise Rückführung des Stichtages, wie zum Beispiel in Baden-Württemberg, um eine in der Praxis umsetzbare Lösung zu erreichen
- Gleiche Bedingungen für Kinder in NRW wie in ganz Deutschland
- Gleiche Voraussetzungen für alle Kinder in NRW zum Schulstart, ohne erst den „Kampf“ durch eine Rückstellung

Die Umsetzung der Forderung würde im Grunde der bereits abgeschlossenen Petition aus dem Jahr 2019 entsprechen. Damals wurde für einen früheren Stichtag und die Einführung eines Einschulungskorridors gekämpft. Für Kathrin Friedrich ist es „unverständlich, warum diese letzte Petition mit über 40.000 Unterstützern so wenig Beachtung im Landtag (Juni 2020) gefunden hat.“ Sie hofft, unter den geänderten Bedingungen (insbesondere durch die Corona-Pandemie ausgelöste Schließung der Kitas) jetzt mehr Beachtung für die extrem jungen Einschulungskinder und eine baldige Lösung in NRW erreichen zu können.

Hier geht es zur Petition
Zur Startseite von Dormago.de oder zurück zu letzten Seite