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Blick richtet sich nun eher auf Deutschen Buchpreis

08.10.2020 / 17:53 Uhr — Dormago

Foto: privat Buchhändler Jorgos Flambouraris mit seinen beiden Favoriten für den Deutschen Buchpreis
Buchhändler Jorgos Flambouraris mit seinen beiden Favoriten für den Deutschen Buchpreis
Mal ehrlich, kennen Sie Luise Glück? Ganz so viele Menschen werden diese Frage kaum bejahen. Gleichwohl: Die US-Amerikanerin hat es geschafft und erhält den Nobelpreis für Literatur 2020 für ihre "unverwechselbare poetische Stimme". In Deutschland ist Luise Glück nicht sehr bekannt - was wohl vor allem daran liegt, dass Lyrik hier eine überschaubare Rolle spielt. So existieren auch nur zwei Werke der 77-Jährigen auf Deutsch: Die 2007 erschienene Sammlung von Gedichten "Averno". Ein Jahr später veröffentlichte ebenfalls der Luchterhand Verlag "Wilde Iris", für den die Lyrikerin und Essayistin 1993 den Pulitzer-Preis für Dichtung bekommen hatte.

Auch Buchhändler Jorgos Flambouraris (City-Buchhandlung) hatte nicht damit gerechnet, dass die hohe Auszeichnung an die 77-Jährige geht: "Sie zählte sicher nicht zu den Favoritinnen, aber die bekommen sowieso eher selten den Nobelpreis." Mit Blick auf die vielen Preise, die Glück bereits erhielt, sieht er durchaus eine Berechtigung für die Verleihung: "In den USA ist sie ein Großkaräter." Ihre deutschen Werke werde man auch in der City-Buchhandlung erhalten können. "Aber die deutschen Leser und Leserinnen mögen nun mal lieber Romane."

Insofern wird die Nobelpreis-Verleihung in diesem Jahr kaum einen besonderen Boom auslösen. Eher schon der Deutsche Buchpreis, der im Vorfeld der virtuellen Frankfurter Buchmesse am 12. Oktober verliehen wird, vermutet Flambouraris. Aus der Longlist für den Deutschen Buchpreis wurde inzwischen die Shortlist mit verbliebenen sechs Büchern. Die Favoriten von Jorgos Flambouraris: Herzfaden von Thomas Hettche (55) und Streulicht von der 32-Jährigen Deniz Ohde.

Herzfaden von Thomas Hettche
Ein 12-jähriges Mädchen gerät nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste durch eine verborgene Tür auf einen märchenhaften Dachboden. Dort warten viele Freunde: Prinzessin Li Si, Kater Mikesch oder auch Lukas, der Lokomotivführer. Vor allem aber die Frau, die all diese Marionetten geschnitzt hat und nun ihre Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte eines einmaligen Theaters und der Familie, die es gegründet und berühmt gemacht hat. Ein Roman, der von der Kraft der Fantasie in dunkler Zeit erzählt.

Streulicht von Deniz Ohde
Industrieschnee markiert die Grenzen des Orts. Hier ist die Ich-Erzählerin aufgewachsen, hierher kommt sie zurück und erinnert sie sich: An den Vater, der nichts wegwerfen konnte, bis nicht nur der Hausrat, sondern auch die verdrängten Erinnerungen hervorquollen. An die Mutter, die in der Enge der Arbeiterwohnung erstickte, bis sie die Koffer packte und die Tochter beim trinkenden Vater ließ. An den Schulabbruch, die Anstrengung, Versäumtes nachzuholen und an die Angst, als Aufsteigerin auf ihren Platz zurückverwiesen zu werden.
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