DORMAGO

Quelle: www.dormago.de

Tandem-Extremtour erfolgreich beendet: Kirsten und Frank Wolff erreichen Malaga in 231 Stunden

(09.08.10, 16:17 Uhr / Info Raphaelshaus)

Gestern um 15:27 Uhr landete der Airbus A330 von Malaga sicher auf der Landebahn des Düsseldorfer Flughafens. Darin befanden sich die beiden Extremsportler Kirsten und Frank Wolff sowie ihr Tandem im Gepäckraum. Nach 22 Etappen kehrten die beiden glücklich und zufrieden von ihrer außergewöhnlichen Tour zurück. Ihr großes Ziel, mit dem Tandem von Dormagen über den südlichsten Festlandpunkt Europas (Tarifa) nach Malaga zu fahren, haben sie erreicht. Während der Tour legten die beiden in 231 Stunden unglaubliche 2806 Kilometer zurück. Dabei mussten sie circa 32.000 Höhenmeter bewältigen.

Die Fahrt mit dem Tandem war insgesamt schwieriger als gedacht, auch für die erfahrenen Rennradfahrer. Das Eigengewicht des Tandems von rund 30 kg wurde bei den vielen Höhenmetern zur Qual. Mehr als 11 Kilometer in der Stunde waren oftmals nicht möglich. Durch das langsame Vorankommen musste das Ehepaar jeden Tag 12 bis 14 Stunden fahren, um ihr Etappenziel einigermaßen zu erreichen. Der Tag war straff organisiert: „Morgens sind wir oft um 5 Uhr aufgestanden. Nach einem kurzen Frühstück ging es auf`s Rad. Anschließend fuhren wir mit kleinen Pausen durch bis abends. Es blieb keine Zeit für eine längere Mittagspause. Am Ziel angekommen gab es dann Abendessen, anschließend war „Waschtag“. Kurz darauf ging es auch schon ins Bett, denn die nächste Etappe kommt bestimmt“, so die Beschreibung der „Wölffe“.

Die extremen Wetterbedingungen sowie die technischen Probleme machten ihnen neben den vielen Höhenmetern ebenfalls zu schaffen. Bei heißen Temperaturen ging es von Dormagen über die Niederlande und Belgien nach Frankreich. In Montereau-Fault-Yonne, ca. 150 km südlich von Paris, kam am fünften Tag der große Temperatursturz von etwa 25 Grad. Kälte und Regen begleiteten die Tandemfahrer bis nach Spanien hinein. Während der 10. Etappe stiegen die Temperaturen dann wieder auf über 40 Grad an und das heiße Wetter blieb ihnen bis zum Schluss treu. „Die Wasserversorgung war während der Hitze und der einsamen Fahrten durch die Berge ein großes Problem. Morgens starteten wir mit 10 Litern Wasser. Durch die Hitze verbrauchten wir den Vorrat schneller als geplant und wir wussten nie, wann wir diesen auffüllen konnten. Teilweise sahen wir stundenlang keine Menschenseele“, berichtet Kirsten Wolff.

Kurz vor Ende der Tour gab es am drittletzten Tag die emotionalste Etappe. Geplant war für diesen Tag, von Jimena de la Frontera - in der Nähe von Los Angeles - Tarifa zu erreichen. Gegen Mittag kam dann der „verzweifelte Anruf“ von Kirsten Wolff: „Wir sind auf einer Nationalstraße unterwegs. Das ist lebensgefährlich. Jetzt kreuzt auch noch eine Autobahn die Nationalstraße. Wir fahren nicht mehr weiter. Dann ist das jetzt eben der südlichste Punkt der Tour. Wir befinden uns auch schon südlicher als Gibraltar. Es geht einfach nicht bis Tarifa.“ Doch dann stieg der Ehrgeiz der beiden, und am Nachmittag schickten sie die Nachricht, dass sie eine andere Route gewählt hätten, es immer noch sehr gefährlich sei, sie sich aber auf dem Weg nach Tarifa befänden. Abends hatten Kirsten und Frank Wolff es doch noch geschafft. „Als wir in Tarifa ankamen verdrückten wir ein paar Tränchen. Es war schon sehr anstrengend, aber die Aussicht entschädigte für die Anstrengung des Tages“, so Kirsten Wolff. „Es ist schon bemerkenswert und für Außenstehende unfassbar, wie ehrgeizig unsere Extremsportler sind, und mit welchem Willen sie ihr Ziel erreichen“, zeigt sich Marco Gillrath, Bereichsleiter des Raphaelshauses, beeindruckt.

Nach der gefühlsmäßigen Achterbahnfahrt fuhren sie auf der vorletzten Etappe so weit es ging Richtung Malaga. Während dieser Teilstrecke mussten sie nochmals zurück in die Berge und große Umwege in Kauf nehmen, damit sie nicht wieder auf der Autobahn oder der Schnellstraße landeten. Estepona erreichten sie um 22.30 Uhr. Für die letzte Etappe blieben dann noch circa 85 km bis Malaga. Die 22. und letzte Etappe diente schließlich dem „Ausrollen“ nach Torremolinos (5 km vor dem Flughafen in Malaga). Nach einer letzten Nacht im Hotel ging es am Mittag des 8. August zurück nach Deutschland.

„Wir bereuen nichts und hatten immer den festen Willen, alles nach unserem Plan zu schaffen, was nicht immer funktionierte. Aber es gab jeden Tag unvergessliche Geschehnisse. In Spanien zum Beispiel haben wir so viele unglaubliche Eindrücke mitgenommen, die ein Tourist gar nicht gewinnen kann, da wir einmal quer durch Spanien gefahren sind. In Frankreich hatten wir viele nette Begegnungen, die uns geholfen haben, den richtigen Weg zu finden, für uns etwas gekocht haben oder uns an der Ampel angefeuert haben. Wenn wir nach der Einsamkeit wieder Menschen begegneten, dann waren wir schon eine Attraktion und fielen auf. Viele bewunderten unser Tandem und machten Fotos. Besonders Kinder waren immer sehr erstaunt und interessiert. Ein ganz besonderes Erlebnis mit Gänsehaut war, als wir über eine Teilstrecke der Tour de France gefahren sind.“

Neben der sportlichen Anstrengung bringt die Tour auch viel Gutes für das Raphaelshaus in Dormagen. „Bis letzten Freitag sind, wenn alle angekündigten Spenden tatsächlich eingehen, knapp 7000 Euro für die Verjüngungskur des Bauernhauses in Wissen zusammen gekommen“, freut sich Marco Gillrath und bedankt sich ganz herzlich für das einmalige Engagement der beiden Tandempiloten. Die Sieger des Gewinnspieles (Hochseilgartentraining, Fahrradtrikot, Windbreaker) werden in der letzten Ferienwoche benachrichtigt. Natürlich werden Kirsten und Frank Wolff auch beim Hochseilgartentraining anwesend sein.

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Erstellt am 07.04.2020 - 11:28 Uhr