© Suling & Zenk GbR / Erstellt am 17.02.2026 - 19:38 Uhr

Holzernte im Winter: Notwendige Eingriffe für stabile Wälder

17.02.2026 / 15:14 Uhr — Info Dormago - bs

Im Chorbusch am Friedwald Dormagen, im Waldbereich an der Klosterstraße und im Knechtstedener Wald läuft derzeit die Holzernte. Motorsägen sind weithin zu hören, einzelne Bäume bereits gefällt. Der Winter ist dafür bewusst gewählt: Der Wald ist nicht nur Erholungsraum, sondern auch Wirtschaftsbetrieb.

Im Knechtstedener Wald wird nach dem Prinzip der naturgemäßen Forstwirtschaft gearbeitet. Kahlschläge sind ausgeschlossen, stattdessen erfolgt eine regelmäßige, selektive Durchforstung. Einzelne Bäume werden entnommen, um sogenannte Zukunftsbäume gezielt zu fördern. Diese sind mit einem grünen Ring markiert; zu entnehmende Bäume tragen eine rote Kennzeichnung. „Wir verzichten auf Kahlschläge, richten uns an den natürlichen Prozessen im Wald aus, achten auf den Bodenschutz und orientieren uns einzelbaumweise an der Gesamtstruktur des Waldes“, sagt Revierförster Frank Pechtheyden. Meist bleibe die nächste Baumgeneration so weit entwickelt, dass Eingriffe kaum auffielen.

Durch die Entnahme von „Bedrängern“ erhalten Zukunftsbäume – etwa lichtbedürftige Eichen – mehr Raum für Kronen- und Wurzelwachstum. Zusätzlich gelangt mehr Licht auf den Waldboden, was die nächste Baumgeneration und die Artenvielfalt stärkt. Habitatbäume mit Höhlen, Spalten oder besonderer Rindenstruktur bleiben als Lebensraum für Insekten, Fledermäuse und Spechte erhalten. Auch abgestorbene Bäume werden abseits der Wege bewusst stehen gelassen.

Sicherheitsaspekte spielen ebenfalls eine Rolle. Instabile Bäume am Wegesrand oder Exemplare mit starkem Kronensterben werden gefällt. Besonders betroffen ist die Esche durch das Eschentriebsterben. In Eichenbeständen führen Trockenschäden und der Eichenprachtkäfer zu Ausfällen, indem sie die Leitungsbahnen unter der Rinde zerstören. Eine rechtzeitige Nutzung kann wirtschaftlichen Wert sichern und weiteren Befall gesunder Bäume begrenzen.

Mit Blick auf den Klimawandel setzt die Forstverwaltung auf eine breite Baumartenmischung. Unterschiedliche Arten reagieren verschieden auf Wetterextreme; Stiel- und Traubeneiche gelten als widerstandsfähiger als etwa die Buche. Ziel ist es, Totalausfälle ganzer Bestände zu vermeiden.

Maschinen dürfen ausschließlich auf ausgewiesenen Wegen sowie markierten Rückegassen fahren, um Bodenschäden zu minimieren. Holz gilt dabei als nachhaltiger Rohstoff. „Durch das Prinzip der naturnahen Forstwirtschaft gewinnen wir den wertvollen und nachwachsenden Rohstoff Holz, der bei uns nachhaltig und klimafreundlich produziert wird“, so Pechtheyden. Holz speichere CO₂, benötige vergleichsweise wenig Energie in der Verarbeitung und könne am Ende thermisch verwertet werden.

Im Friedwald Dormagen stehen neben der Pflege vor allem Sicherheitsaspekte im Vordergrund. Die Bestände sollen aus vitalen, stabilen Bäumen mit ausreichendem Abstand bestehen, damit Angehörige die Grabstätten gefahrlos erreichen können.

Für die Arbeiten werden aus Sicherheitsgründen Wege zeitweise gesperrt und auch für den Abtransport des Holzes genutzt. Lärm und Schäden an Waldwegen lassen sich nicht vermeiden; sie sollen nach Abschluss der Maßnahmen behoben werden. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis März.

Foto(s): © Archiv Dormago

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Revierförster Frank Pechtheyden: „Wir verzichten auf Kahlschläge“