© Suling & Zenk GbR / Erstellt am 05.02.2026 - 11:20 Uhr

„Titel des VHS-Angebots ist sicher nicht glücklich gewählt“

05.02.2026 / 7:38 Uhr — Dormago / duz

Bundesweit wird an Volkshochschulen ein Online-Kurs angeboten, der in die Kritik geraten ist. Auch in Dormagen. Dabei geht es weniger um den Kurs, sondern vornehmlich um den Titel und die Beschreibung des Inhalts: Die Überschrift „Reisebüro war gestern – heute buche ich selbst“ sei wertend und es sei nicht die Aufgabe der öffentlich finanzierten VHS, eine Berufsgruppe abzuwerten, heißt es ähnlich lautend in Schreiben an DORMAGO. Zumal es sich um Gewerbetreibende handelt, die in der Regel auch Gewerbesteuer in Dormagen zahlen.

War die Reisebuchung früher „ausschließlich Reisebüros vorbehalten“, so biete die „digitale Welt“ inzwischen eine „Vielzahl von Möglichkeiten, Reisen selbständig und dadurch individuell zugeschnitten, einfach und vor allem günstiger zu buchen“, heißt es in der Beschreibung des Kurses. Und: „In diesem Kurs werden Sie erfahren, wie Sie Ihre Traumreise ganz einfach selbst planen und buchen können – ganz ohne die Hilfe eines Reisebüros!“ Weil es aber eben für Ungeübte doch riskant sein könne, will der Kursleiter für Aufklärung sorgen – natürlich ohne Garantieanspruch.

DORMAGO hat bei der Stadt Dormagen nachgefragt und folgende Antwort zum Thema von Pressesprecher Nils Heinichen erhalten:
„Die Stärkung der Innenstadt sowie der Erhalt des stationären Einzelhandels und lokaler Dienstleister – dazu zählen ausdrücklich auch die Reisebüros in Dormagen – haben für die Stadt einen hohen Stellenwert. Der Titel des VHS-Online-Angebots „Reisebüro war gestern – heute buche ich selbst“ ist sicherlich nicht glücklich gewählt. Er spiegelt weder die Intention der Veranstaltung noch die Haltung der Stadt Dormagen wider. Eine Abwertung oder Kritik an stationären Reisebüros ist damit ausdrücklich nicht verbunden.“

Das Kursangebot ziele ausdrücklich nicht darauf ab, Kunden vom stationären Handel abzuziehen, sondern vielmehr darauf, „Kompetenzen im Bereich des Verbraucherschutzes zu vermitteln, indem er über Risiken wie Fake-Shops, intransparente Preisstrukturen oder unzureichende Versicherungen aufklärt.“ Damit erfüllten die Volkshochschulen ihren gesetzlich verankerten Bildungsauftrag, „Bürgerinnen und Bürger bei der digitalen Transformation zu unterstützen und Medienkompetenz sowie digitale Souveränität zu fördern.“

Wer sich also ohnehin bereits online um seine Reisebuchung kümmere, soll die Kompetenzen erhalten, dass dieser Personenkreis „nicht reingelegt wird.“ Erfahrungen aus vergleichbaren Kursen würden zudem zeigen, dass „Teilnehmende durch die Auseinandersetzung mit der Komplexität von Online-Buchungen häufig erst den hohen Wert professioneller Beratung, persönlicher Haftung und rechtlicher Absicherung durch ein Fachreisebüro erkennen und schätzen lernen.“

Heinichen: „Der Kurs wird im Rahmen einer überregionalen Kurskonzeption angeboten, die in ähnlicher Form von vielen Volkshochschulen übernommen wurde. Unabhängig davon wird geprüft, ob Titel und Beschreibung des Angebots künftig präziser und sensibler formuliert werden können.“

Reaktion der VHS Bochum
Die VHS Bochum hat reagiert, informiert „Touristik aktuell“: Sowohl der Titel als auch der Ankündigungstext des Online-Kurses wurden überarbeitet. Die Fortbildung lautet dort nun: „Meine Reise – Schritt für Schritt zur ersten Online-Buchung“.

Foto(s): © Kelsey Knight auf Unsplash

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Ein VHS-Online-Kurs thematisiert die Buchung von Traumreisen „ganz ohne die Hilfe eines Reisebüros“