© Suling & Zenk GbR / Erstellt am 05.03.2026 - 01:06 Uhr

„Wir müssen alle gemeinsam an einem Strang ziehen“

18.01.2026 / 16:50 Uhr — Dormago / duz

Nach 2016 war Gohr heute wieder Gastgeber des traditionellen Dormagener Neujahrsempfangs. „Das schmucke Zelt hätten wir uns ohne die tolle Zusammenarbeit mit der Stadt und den Turfgrafen nicht leisten können“, freute sich Michael Kleefisch bei der Begrüßung der Gäste. „Für ein solches Zelt werden ja inzwischen unfassbare Summen verlangt“, betonte der Brudermeister der Schützen Gohr. „Aber so besteht die Gelegenheit, dass „wir es uns bis März hier im Wohnzimmer gemütlich machen.“ Von Gemütlichkeit will Bürgermeister Erik Lierenfeld indes nichts wissen: „2026 ist das Jahr der Arbeit. Ein Jahr, in dem wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen müssen, um unsere Stadt nach vorne zu bringen. Eine Stadt wie Dormagen lebt von den Menschen, die hier wohnen, arbeiten, sich engagieren und Verantwortung übernehmen. Jede Idee, jede Kritik, jeder Einsatz ist wichtig für unser gesellschaftliches Miteinander.“

Seine Rolle sieht Lierenfeld vor allem als Moderator des gemeinsamen Prozesses, will „Impulse setzen, Ideen zusammenführen und den Rahmen schaffen, damit gute Vorschläge Wirklichkeit werden können.“ Denn die besten Lösungen würden dort entstehen, wo „Verwaltung, Politik und Bürgerschaft miteinander im Gespräch bleiben und zusammenhalten.“ Das gelte gerade auch für Gohr, wo in absehbarer Zeit einiges passieren soll: Auf einem vor kurzem angekauften Grundstück westlich der B 477 Gohr sind ein Nahversorger, Seniorenwohnungen sowie ein neuer Wohnraum für Familien vorgesehen. Lierenfeld: „Insgesamt sprechen wir von rund 95 Wohneinheiten, davon etwa 25 Einfamilienhäuser.“ Eine sichere Querung der B 477 in Richtung Kirchplatz befinde sich in der Abstimmung mit Straßen.NRW.

Programm Ehrenamt 2.0
Neu belebt werden soll das Ehrenamt. Auch unter dem Aspekt, dass „der Altersdurchschnitt steigt und Nachwuchs vor allen in den Vereinen fehlt“, kündigte der Bürgermeister das Programm „Ehrenamt 2.0“an. Bewährte Strukturen sollen weiterentwickelt, die Ehrenamtskarte – etwa durch die Integration des Deutschlandtickets - attraktiver gemacht und zusätzliche Anreize geschaffen werden. Ziel sei es, insbesondere jüngere Menschen für ein zeitgemäßes, flexibles Ehrenamt zu gewinnen und „so den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt langfristig zu sichern.“

Als „landesweit einzigartig und vorbildlich“ bezeichnete Lierenfeld die konzeptionelle Arbeit im Bereich der Seniorenarbeit – mit Angeboten des Seniorenbeirats und der Stadt wie Rollatortraining, Tanzcafé, Kino, Mittagstischen, Nachmittagen oder jüngst die Karnevalssitzung für Senioren: „Genau so entsteht soziale Teilhabe.“ Zu den großen gesellschaftlichen Aufgaben zähle zudem die Integration. Das Thema soll nun auf kommunaler Ebene stärker in die Hand genommen und die Integration zugewanderter Menschen deutlich verbessert werden. Für den Bürgermeister steht fest: „Wir sind angewiesen auf Zuwanderung. Ohne weitere Menschen wird es in unserem Land nicht gehen.“ Dazu zähle auch die Zuwanderung innerhalb von Deutschland. Ein prominentes Beispiel ist Horst Lichter.

„Ich ziehe das in Gohr bis zum Schluss durch“
„Ich lebe hier seit knapp zwei Jahren und spreche jetzt die Sprache der Gohrer“, schmunzelte der „Bares für Rares“-Moderator, der ein passendes Sprichwort parat hatte: „Der Mensch darf aus dem Dorf gehen, das Dorf aber nie aus dem Menschen.“ In Gohr habe er festgestellt, dass viele Dinge, die über das Leben im Dorf erzählt werden, nicht stimmen: „Ich habe hier viele kennengelernt, die Power im Hintern haben und die eine Menge leisten.“ Originell erzählte Lichter, wie er zur Feuerwehr in Gohr kam: „Ich wollte Grünzeug im Garten verbrennen. Da kam zufällig ein Feuerwehrmann mit dem Rädchen vorbei. Man verständigte sich auf eine Übung… Vor Ort waren dann drei Fahrzeuge und viele Mitarbeiter der Feuerwehr, sowie eine Frau, die frisch den Kettensägeschein gemacht hatte und sich „um die Wurzeln im Garten kümmerte.“ Der „Horst“ will sich noch mehr einbinden und nutzte den Empfang zum Gespräch mit der Hospizbewegung: „Ich will das hier in Gohr nämlich bis zum Schluss durchziehen.“

Die Stärkung der Wirtschaft gehörte zu den weiteren Themen von Erik Lierenfeld, der auch diverse Initiativen und Jubiläen ansprach. So werden in diesem Jahr die Schützen aus Delrath, Delhoven und Gohr 100 Jahre alt, ebenso die Baugenossenschaft Dormagen. Auf ein halbes Jahrhundert bringt es der HIT-Markt. Ebenfalls eine bedeutende Nachricht: Nach dem die bisherigen Bemühungen gescheitert sind, in Dormagen ein „Caritas-Kaufhaus“ einzurichten, gibt es einen neuen Anlauf zusammen mit der Dormagener Tafel. Im Laufe des Empfangs gab es auch zwei spezielle Ehrungen: Das ehemalige Ratsmitglied Karlheinz Meyer (FDP) und Dieter Platz, seit Jahrzehnten Pfadfinder-Chef in Delrath, erhielten die Silberne Ehrennadel der Stadt.

Für die musikalische Unterhaltung sorgten die Jazz-Combo der Musikschule (Joscha Wallraff, Michel Pütz, Nihat Iman mit NGK-Gast Jan Ahaus) und Sängerin Nihal Rapp. Das Finale auf der Bühne gestalteten die beiden Tanzgruppen Juhrer Danzmarieche und Juhrer Wibbelstätz der KG Turfgrafen.

Foto(s): © Dormago / duz

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Bürgermeister Erik Lierenfeld sprach beim Neujahrsempfang Themen der Vergangenheit und der Zukunft an
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Erik Lierenfeld spazierte mit Mikrofon durch das große Festzelt
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Horst Lichter will das Leben in Gohr bis zum Ende durchziehen
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Die Jazz-Combo der Musikschule und Sängerin Nihal Rapp erhielten viel Beifall
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Tanzgruppen der KG Turfgrafen sorgten für das Finale des Empfangs