© Suling & Zenk GbR / Erstellt am 06.04.2025 - 10:12 Uhr
05.04.2025 / 8:52 Uhr — Info Dormago / duz
Dormagen. Schon für die Römer des Altertums war Neapel Sehnsuchtsort und Kulminationspunkt künstlerischer Inspiration, in der Barockzeit avancierte die Stadt am Vesuv zum Zentrum der Musikwelt. Noch heute ist sie Synonym für einen überbordenden Schatz musikalischer Superlative in Komposition und Instrumentenbau und der Herkunftsort von Gesangs-Weltstars des Barock. Das Festival Alte Musik Knechtsteden schickt sich nun an, anlässlich des Gedenkjahres zum 300. Todestag des Neapolitaners Alessandro Scarlatti in neun Musikproduktionen von einer Wiederentdeckung eines Oratoriums über große Vokalwerke bis zu hochkarätiger Kammermusik diese Juwelen vom 20. bis 27. September zu heben.
Das Festival eröffnet am Samstag, 20. September, mit einer Originalklang-Sensation: einer Wiederentdeckung des Florentiners Francesco Conti, internationaler Kompositions-Star neapolitanischer Schule aus dem 18. Jahrhundert. Sein oratorisches Werk „La Colpa Originale“ erzählt den biblischen Sündenfall und erlebt unter der Leitung von Artist in Residence Dorothee Oberlinger seine moderne Erstaufführung in der Knechtstedener Basilika. Zum internationalen Cast gehören der französische Tenor David Tricou als Dio, der englische Counter Timothy Morgan als Adamo, die chinesische Sopranistin Jiayu Jin als Eva, die Mezzosopranistin Alice Lackner als Cherubino und der spanische Bass Luigi di Donato als Lucifero, begleitet vom Ensemble 1700.
In der traditionellen Landpartie geht es am Sonntag, 21. September, mit virtuos gezupften Klängen in einem Programm rund um die Mandoline zu – dafür sorgen das Ensemble Artemandoline mit Early Music-Star Nuria Rial als Frontfrau in Arien und Canzonetten vom spanischen Hof und aus Neapel, der Hauptstadt der Mandoline. Das Werk von Alessandro Scarlatti ist ein ganzes Universum aus Concerti und Sonaten, Opern und Kantaten. Dorothee Oberlinger und ihr Ensemble 1700 geben am Montag, 22. September, Kostproben davon, wenn sie mit den brasilianischen Sopranisten Bruno de Sá dem „Meister der Harmonie“ mit einem ausgesuchten Raritätenprogramm die Ehre erweisen.
Der Name der Lady Hamilton ist auf ewig mit Neapel verbunden, wo sie als Botschaftergattin zur Mätresse des Seehelden Lord Nelson wurde und nebenher – Skandal! – selber als Künstlerin spärlich bekleidet „allegorische Attitüden“ darstellte. Ihr setzen die Sopranistin Hannah Morrison zusammen mit Christine Schornsheim am Hammerklavier und Schauspielerin Gerrit Berenike Heiter am Dienstag, 23. September, im Kreismuseum Zons mit Werken von Haydn und Vanhal, in Tableaux Vivants und mit Texten von Theodor Fontane ein Denkmal.
Das Zwillingspaar Elisabeth und Johanna Seitz an Psalter und Harfe widmet der „Lira del ciel“ – einer in Neapel erfundenen chromatischen Doppelharfe – ein himmlisches Konzertprogramm am Mittwoch, 24. September, im intimen Ambiente des Festsaals in Schloss Arff. Sie zeigen die ganze Bandbreite des Instruments, von ätherischen Klängen und bodenständiger Volkstümlichkeit bis zu temperamentvollen Tarantellen, in Werken von Baldano, Kapsberger, Farina, Mayone, De Ribayaz, Adan, de Murcia, Falconiero, Montalban, Strozzi und weiteren.
In einer Eigenproduktionen mit der Rheinischen Kantorei und Concerto Köln sind es am Donnerstag, 25. September, zwei weitere eng mit Neapel verbundene Namen, die der musikalische Leiter Edzard Burchard in zwei Stabat Mater-Vertonungen gegenüberstellt: Giovanni Batista Pergolesi (1710-1736) und Opernkomponist Tomasso Traetta (1727-1779). Das unsterbliche Duett des todesnahen Pergolesi im Kontrast zum opulenten Stabat Mater für Solisten und Chor für den Münchner Hof wird sicher ein mitreißender Höhepunkt des Festivals.
In der Romanischen Nacht am Freitag, 26. September, zeichnen die Alte Musik Spezialisten von COMET Musicke ein großes Kaleidoskop des aus Toledo stammenden Diego Ortiz, Kapellmeister am neapolitanischen Hof bis 1570. Mit polyphonen Motetten, Orgelversetten in Streicherbesetzung und virtuos verzierten Madrigalen lassen sie ein farbenprächtiges Porträt eines Komponisten entstehen, der nach Neapel ging, um sein Glück zu suchen.
Die Rheinische Kantorei bereitet zusammen mit dem Concerto Köln unter der Leitung von Edzard Burchards am Samstag, 27. September, ein opulentes Festivalfinale mit Händel und Scarlatti in Rom: Beide sind längst Stars in Neapel, als es sie in die Ewige Stadt zieht, die erste Adresse für spektakuläre Sakralmusik. Opernaufführungen sind hier zwar verboten, doch beide wissen, dass auch Oratorien nichts an großer Bühnendramatik vermissen lassen müssen – zu hören in Händels Dixit Dominus und Scarlattis Missa S Cecilia.
Der Kartenvorverkauf startet am 2. Mai über KölnTicket. Der Freundeskreis des Festivals hat die Möglichkeit, Karten ab sofort per E-Mail zu reservieren. Neue Mitglieder sind willkommen.
Fotoquelle: privat
![]() Comet Musicke gestalten die Romanische Nacht am 26. September in der Klosterbasilika |