DORMAGO

Quelle: www.dormago.de

Origineller Pufpaff mit bitterbösen Spitzen

(07.02.19, 18:40 Uhr / Dormago / duz)

Dormagen. Ein "unfertiges Produkt, so wie Ikea Möbel" präsentierte Sebastian Pufpaff am gestrigen Mittwoch den Gästen im ausverkauften Dormagener Kulturhaus. Bei der Vorpremiere zum neuen Soloprogramm des Kabarettisten und Entertainers durften die Besucher "mit daran arbeiten, dass alle nach Ihnen ein gutes Programm bekommen." Doch nach rund zwei Stunden war auch jetzt schon die Begeisterung groß: Mit originellen Anekdoten und bitterbösen Spitzen hatte der 42-Jährige die Erwartungen des Publikums erfüllt. In der "Zugabe" am heutigen Donnerstag an gleicher Stelle wird es kaum anders sein.

"Warum immer so viel Inhalt", wurde Pufpaff einst gefragt. Prompt konnte er versichern, dass im neuen Programm "keine Parteien und keine Politiker" auftauchen. Letzteres gelang - bis auf zwei kleine Ausnahmen. Der Inhalt allerdings hatte es auf jeden Fall in sich. Mit Themen, die zum Nachdenken zwingen und noch lange nach der Veranstaltung nachwirken. Pufpaff sieht "alles nur noch positiv", so auch das Knöllchen: "Da habe ich mir eben eine andere Geschwindigkeit gekauft", plädiert er für freie Fahrt überall, so auch auf den schönen Alleen im Osten mit all den tödlichen Konsequenzen... Ein böser Vergleich, gleichwohl Pufpaffs "Lieblingsstelle im Programm", wie er später gesteht: "Da ist in Spanien ein Kind in den Brunnenschacht gefallen, das ist ganz schlimm. Die mediale Abdeckung ist riesig. Aber dass kürzlich 14 Zweijährige im Mittelmeer ertrunken sind, darüber wird nicht berichtet. Ich hatte schon die Idee, weitere 13 Kinder in den Schacht zu stecken..."

Es gebe inzwischen Elterninitiaven, bei denen man Kinder ab dem 6. Tag in die Kita geben kann. Doch da stelle sich die Frage: "Was macht man mit dem Kind an den ersten fünf Tagen?" Sinnvoll wäre es doch, einen Entbindungsraum in der Kita zu schaffen, dann könne man das Kind gleich nach der Geburt in die Bärengruppe schicken... Kinder, die nur noch auf ihr Handy gucken, die sollte man "ruhig laufen lassen. Das klärt sich dann alles an der nächsten Ampel..." Und auch für Impfgegner macht Pufpaff sich stark: "Machen Sie weiter, dann bleiben wenigstens die Schlauen am Leben."

Pufpaff sorgt sich darüber, dass es immer mehr "Prepper" gibt, die sich auf die Apokalypse vorbereiten. Und ein wenig ist er davon überzeugt, dass "die Zombie Apokalypse tatsächlich kommt." Ohne einen Baseballschläger sollte man nicht mehr die Haustür öffnen. "Der hilft auch, wenn kein Hirntoter davor steht. Als mich zuletzt der Bofrost-Mann damit sah, hat er gleich ungefragt für mich gekocht." Überall sind die Hirntoten da draußen. "Dass sich alle elf Minuten Leute verlieben wird ständig erklärt. Doch wieviel trennen sich davon wieder?" Und: Nur weil man drei Autos hat, müsse man die nicht für 200 Meter benutzen, um das Kind an der Schule abzusetzen: "Unglaublich, was da morgens an den Schulen los ist." Seit wann es kein richtiges Miteinander mehr in Deutschland gebe? Dazu erinnert Pufpaff an seine erste Stunde als Politik-Student, in der es um die Große Koalition ging. "Alle wissen um die Probleme, aber niemand ändert etwas." Hilfe gibt es nur vom guten, alten Kugelspiel: "Wir lassen die Kugel rollen, hören die Melodie und jeder einzelne hat das Gefühl von Relevanz. Dann funktioniert auch wieder das System."

Von der Gelegenheit, nach den 2x50 Minuten mit der ein oder anderen Anregung auf das künftige Soloprogramm Einfluss zu nehmen, machten einige der Besucher Gebrauch. "Es war zu kurz", sagte einer und wahrscheinlich hätten die meisten Gäste gerne weiter den Worten von Sebastian Pufpaff folgen wollen. Aber so ist das nun mal: "Beim letzten Mal hat mir jemand gesagt, es war zu lang."

Foto(s): © Dormago / duz

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Sebastian Pufpaff und das Kugelspiel





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Erstellt am 21.08.2019 - 02:38 Uhr