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18.07.2015 / 0:50 Uhr — Dormago / duz
Dormagen. Im zweiten Anlauf soll es klappen: Mit einer braunen Hinweistafel an der A 57 wollen der Spiritanerorden und die Stadt Dormagen künftig auch für einen Besuch im Kloster Knechtsteden werben. Schon seit 2004 ist eine solche Beschilderung für die Zollfeste Zons vorhanden. „Das hat für uns enorme touristische Bedeutung, denn jeden Tag kommen 70.000 Fahrzeuge auf der Autobahn an Dormagen vorbei und bei vielen Insassen prägt sich der Anblick dieser Schilder ein“, vermutet Bürgermeister Erik Lierenfeld. Für das Kloster Knechtsteden wurde ein erster Antrag auf eine Hinweistafel vor fünf Jahren vom Landesbetrieb Straßenbau und dem zuständigen Verkehrsministerium abgelehnt. „Die Absage 2010 war für uns erschütternd. Da wurde ja erklärt, wir hätten nichts zu bieten“, erinnert der Vorsitzende des Fördervereins für das Missionshaus, Hermann-Josef Lenz. Moniert wurden seinerzeit fehlende Angebote für spontane Besucher und eine nicht ausreichende touristische Erschließung.
Das sehen der Spiritanerorden und der Förderverein jedoch ganz anders. Stephan Großsteinbeck, der im Vorstand des Förderveins für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, hat auf 18 Seiten umfangreiche Argumente für die Hinweisbeschilderung zusammengestellt. Zur kulturhistorischen Bedeutung Knechtstedens zitiert Lenz ein Gutachten des Landschaftsverbandes Rheinland: „Kloster Knechtsteden ist eines der großen Beispiele einer kirchenhistorischen Epoche und in fast allen Teilen noch gut erhalten. Im Vergleich ist es berechtigt, beispielsweise auf Kloster Maria Laach zu verweisen.“ Auch Spiritanerpater Hermann-Josef Reetz bezeichnet die ab 1138 errichtete romanische Basilika als „stilbildend für viele Kirchen im Rheinland.“
Dem Argument fehlender touristischer Angebote widerspricht Bürgermeister Lierenfeld entschieden. „Gerade in den vergangenen Jahren hat sich hier noch einmal eine Menge getan, zum Beispiel durch die Obstsortenanlage mit dem sehr schönen Lehrpfad, der von der Biologischen Station angelegt wurde.“ Gemeinsam verweisen die Stadt und der Förderverein auf kulturelle Ereignisse im Kloster wie das Festival Alte Musik oder die für alle Besucher frei zugänglichen Ausstellungen im Kreuzgang. Neue Wegweiser führen die Besucher zu Sehenswürdigkeiten wie den alten Handwerkerbetrieben oder dem Kloster- und Soldatenfriedhof. Zum Bummeln und Verweilen laden auch der Klosterladen, der große Kinderspielplatz im „Schwarzen Garten“ und der Klosterhof mit dem Knechtstedener Schwarzbier ein. Lenz: „Wenn man andernorts sieht, wie viele touristische Hinweistafeln dort in nur geringen Abständen an der Autobahn stehen, zählt auch das Argument nicht, dass neben der Tafel für Zons kein zweites Schild mehr möglich ist.“ Völlig verworfen ist freilich die vor über zehn Jahren angedachte Idee noch nicht, das Schild mit Zons zu teilen.
Bis Ende Juli wollen der städtische Denkmalschutzbeauftragte Jürgen Waldeck und der Förderverein gemeinsam einen neuen Antrag an den Landesbetrieb Straßenbau auf den Weg bringen. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist schon einmal geklärt: Der Förderverein will sich um die Finanzierung der rund 18.500 Euro teuren Hinweistafeln kümmern. Dabei sollen Sponsoren mit ins Boot geholt werden. Auch einen ersten Entwurf für das Autobahnschild hat die Stadtmarketing- und Verkehrsgesellschaft Dormagen schon einmal von der örtlichen Grafikagentur Coma anfertigen lassen. Lierenfeld: „Ob unser neuer Antrag Erfolg hat, bleibt abzuwarten. Aber wir sind sicher, dass Knechtsteden als größte mittelalterliche Klosteranlage im Erzbistum Köln eine solche Beschilderung verdient hat.“ Wie lange es mitunter bis zur Aufstellung dauern kann, weiß Guido Schenk von der Stadtmarketing- und Verkehrsgesellschaft: „In Zons mussten wir 20 Jahre darauf warten.“
Fotoquelle: Dormago