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Helfer sind Glücksfall für Geflüchtete

10.01.2017 / 17:52 Uhr — Dormago

Foto: privat Ein Teil der Flüchtlinge mit Petra Steinhoff-Fuchs
Ein Teil der Flüchtlinge mit Petra Steinhoff-Fuchs
Knechtsteden. Seit März 2016 betreut der Kinderschutzbund Dormagen (DKSB) in der alten Schneiderei, einem eigens hergerichteten Teil des Klosters Knechtsteden, eine Unterkunft für sieben Flüchtlingsfamilien mit bis zu 35 Personen, von denen die meisten Kinder sind. Die kleine Einrichtung in ländlicher Umgebung bietet den Bewohnern Ruhe, Sicherheit und ein wenig Privatsphäre. Mit Mitteln des Kinderschutz-Bundesverbandes wird seit März 2016 die pädagogische Fachkraft Petra Steinhoff-Fuchs zur Betreuung traumatisierter Kinder finanziert.

Ein Glücksfall für die Geflüchteten ist der gewachsene Helferkreis. Ehrenamtlich engagierte Männer und Frauen leisten wertvolle Beiträge zur Integration der syrischen und afghanischen Flüchtlingsfamilien. Nur so kann das umfangreiche Programm angeboten werden: So gibt es ein regelmäßiges Sprach- und Spielprogramm an mehreren Nachmittagen in der Woche, Begleitung bei Behördengängen und Arztbesuchen, gemeinsame Unternehmungen in den Ferien, Anmeldung in Sportvereinen, Malkurse, Beratung und Aufmunterung, Hilfe bei der Familienzusammenführung und Wohnungssuche, Organisieren von Fahrrädern, Kinderwagen, Fußballschuhen. "Diese Liste lässt sich beliebig erweitern", sagt Antje Pfister, die Vorsitzende des DKSB Dormagen. "Auch der ehrenamtliche Dolmetscher Hadi Ashour ist eine unverzichtbare Hilfe."

Wer auf dem Klostergelände zu tun hat, eine Veranstaltung besucht oder einen Spaziergang macht, dem sind sie sicherlich schon aufgefallen: Kinder, die ohne Helm Wettrennen auf ihren Fahrrädchen oder Rollern veranstalten, Mütter mit Kopftuch und Kleinkind auf dem Arm, Männer, die laut diskutierend zusammenstehen. Wer die "Fremden" anspricht, kann feststellen, dass gerade die Kinder zumeist schon gut Deutsch sprechen. Pfister: "Sie sind freundlich, höflich, geben bereitwillig Auskunft. Die Erwachsenen laden zu Tee und Kaffee ein." In Windeseile steht ein Stuhl bereit, arabischer Kaffee, kräftig gesüßter Tee, Gebäck oder Nüsse werden serviert. Und los geht die Verständigung mit Händen und Füßen, mit viel Lachen und freundlichen Gesten.

Auch wenn die Wohnung einer 6-köpfigen Familie nur 12 Quadratmeter groß ist, "sie haben keine Scheu, uns zum Essen einzuladen", machte nicht nur Antje Pfister angenehme und schmackhafte Erfahrung. Zwischen Hochbetten, Koffern und Kisten mit den Habseligkeiten der Familie haben sie mit bescheidenen Mitteln den Tisch gedeckt und freuen sich, ihren Gästen ein fürstliches Mahl zu kredenzen. In der Gemeinschaftsküche wurde den ganzen Nachmittag gebrutzelt und geschnippelt, gekocht und gebacken. Die Zutaten wurden bei der Tafel und beim türkischen Gemüsehändler besorgt. Gefüllte Auberginen, Gemüsereis, köstliche Salate, Hackfleischbällchen oder vegetarische Spieße werden nun zusammen mit orientalisch gewürzten Saucen gereicht. Alles wird begleitet von lautem Palaver, Lachen und immer wieder Hände, Füße und Grimassen. Wenn es mit der Verständigung gar nicht klappen will, wird ein Bild gemalt oder der Internet-Übersetzer Deutsch – Arabisch bemüht.

Natürlich ist das nur die halbe Wahrheit der Flüchtlingssituation in Knechtsteden, Dormagen oder anderswo. Es gibt auch die schwierige Seite: Depressive und traumatisierte Kinder und Erwachsene, Hilflosigkeit bei Behördengängen und in vielen anderen Situationen, Streitereien zwischen den Familien, Enttäuschung, weil es mit der größeren Wohnung immer noch nicht klappt, Niedergeschlagenheit, weil das Fahrrad gestohlen wurde, Trauer, weil es im Heimatland wieder Anschläge gab und vielleicht die Familienmitglieder betroffen sind, Verzweiflung, weil die Ehefrau, die Eltern, das Kind nicht nachkommen dürfen. Auch diese Liste könne beliebig ergänzt werden, wissen die Kinderschützer. "Und täglich gibt es neue Probleme – aber auch Lösungen." Einige Familien konnten schon in eigene Wohnungen ziehen, die meisten Kinder sind in Schulen und Kindergärten untergebracht, drei gesunde Babys wurden geboren, viele haben schon ihren Bleibestatus und beziehen Leistungen vom Jobcenter. Die ersten Bewohner haben einen Platz im Sprachkurs ergattert oder absolvieren ein Praktikum. Es geht aufwärts.

Helferinnen und Helfer werden freilich ständig gesucht. "Vielleicht gibt es den einen oder anderen, der sich gerne einbringen würde. Interesse, Mithilfe oder gute Ideen sind sehr willkommen, wobei jeder selbst entscheiden kann, wie groß der Rahmen seiner Mithilfe sein soll", macht Antje Pfister deutlich. Von "gelegentlich" über "einmal in der Woche" bis "regelmäßig" ist alles möglich. Vor allem die Familien, die die Unterkunft verlassen haben und nun in einem neuen Stadtteil ihren Weg finden müssen, liegen dem DKSB am Herzen. Da nämlich laufend neue Familien in die Unterkunft kommen, "schaffen wir es nicht immer, uns noch um die ´alten Familien` zu kümmern. Wir freuen uns über jeden, der sich bei uns meldet." Konkrete Informationen gibt Antje Pfister vom Kinderschutzbund Dormagen, Tel.: 0170-9329729.
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